„Wo ist die Revolution?“ – „Everything is Art. Everything is Politics.” Ai Weiwei in der Kunstsammlung NRW K20 und K21

17. May 2019

Ai Weiwei, 2019. Image courtesy of Ai Weiwei Studio.

Ai Weiwei ist von dem Moment an, in dem er die Pressekonferenz im K21 betritt von Fotografen und Videokameras umzingelt. Er macht sich einen sichtlichen Spaß daraus und fotografiert mit seinem Handy die Menschen, die wiederum ihn fotografieren. Ein Augenzwinkern, dass den Startschuss in eine einzigartige Ausstellung gibt.

Ruhig hört er den Worten von Prof. Susanne Gaensheimer (Direktorin der Kunstsammlung NRW) und den beiden Kuratoren Dr. Doris Krystof und Dr. Falk Wolf zu und beantwortet im Anschluss die Fragen der anwesenden Journalisten. Sein Verhältnis zu Deutschland ist ein Besonderes. Beispielsweise ging er nach seiner Inhaftierung in China im Jahr 2011 und dem anschließenden Reiseverbot bis 2015 nach Rückerhalt seines Passes nach Berlin und blieb.

Er schätzt Deutschland, die Deutschen schätzen ihn. Der große Andrang bei der Pressekonferenz unterstreicht, wie groß das Interesse an diesem Künstler auch weit über Düsseldorf – und natürlich auch über Deutschland – hinaus, ist. Er selbst bezeichnet diese Präsentation als „seine bedeutendste Ausstellung bisher“. Die Bedeutung liegt u.a. darin, dass mehrere Hauptarbeiten Ai Weiweis zusammen gezeigt werden. Für ihn war es beinahe undenkbar zwei dieser Hauptwerke zusammen zu sehen, nun sind es sogar weitaus mehr und es ist das erste Mal, das sie zusammen gezeigt werden. Manche arbeiten waren zuvor noch nie in Europa zu sehen, manche nicht in Deutschland. Nun wurden sie zusammengetragen für die größte Einzelausstellung des Künstlers.

Sie stehen in engem Verhältnis zu seiner Arbeit als Menschenrechtler sowie zu seinem eigenen Leben. In „Laundromat“ (K21) beispielsweise geht er auf das wichtige Thema „Flüchtlinge“ ein. Dies ist neben der großen Relevanz der Thematik selbst auch etwas, das sein eigenes Leben seit frühester Kindheit zeichnete. In „Sacred“ (K21) zeigt er sechs Dioramen, die seine Inhaftierung 2011 und seine Zelle sehr detailgetreu wiedergeben. In „Straight“ (K20) werden 164 Tonnen Stahl ausgestellt, die Ai Weiwei nach dem verheerenden Erdbeben in der chinesischen Provinz Sichuan 2008 abtransportieren konnte. Sie stammen von einem eingestürzten Schulgebäude, in dem viele Kinder starben. Bei der Bearbeitung des Materials kam der Verdacht auf, dass auch Schlamperei und Korruption an dem Einsturz der Schule Schuld trugen. Der mahnend „aufgebahrte“ Stahl wird mit den Namen der toten Kinder an den Wänden der Grabbe Halle ergänzt und durch ein Video komplettiert. Dies sind nur drei der vielen ausgestellten Installationen und Werke, die es zu sehen gibt.

Neben den Hauptwerken sind aber auch kleinere Werke zu sehen, die zusammen mit dem Informationsheft der Museen wunderbar erkundet werden können. Die Kunstsammlung NRW sieht die Ausstellung im K20 und K21 dabei nicht als Doppelausstellung oder gar zwei Ausstellungen an, sondern als eine einzige. In den großen Hallen der beiden Museen kommen die Installationen besonders gut zur Geltung und geben ihnen den Raum, die sie benötigen. Eines der Kriterien, warum eine solch umfangreiche Präsentation Ai Weiweis in Düsseldorf möglich ist.

Die Kunstsammlung NRW bietet ein breites Rahmenprogramm für Erwachsene und Kinder an, das den Besuchern die Werke des chinesischen Künstlers noch näher bringen werden.

Nun bleibt uns nur noch zu sagen: Viel Spaß beim Besuch und Erkundungstour. Es lohnt sich!

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Ai Weiwei fotografiert auf der Pressekonferenz die Fotografen

“Sunflower Seed” 2010 im K20 in der Klee Halle

“Life Cycle” 2018 im K21

“Study of Perspective” 1995-2011 / 2014 im K21


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