Olaf Breuning – eine Retrospektive zum Wahnsinn, den wir Realität nennen

10. Juni 2016

Olaf Breuning: Life-II, 2015, Photo, Metro Picures, New York © Olaf Breuning

Für den Künstler selbst stellt diese Retrospektive eine „Halbzeit“ dar, eine Art „Mid-Life-Schau“. Der 46-Jährige blickt bereits auf eine lange Schaffenszeit zurück, freut sich aber auch auf die zukünftigen 20 oder 30 Jahre, die ihn in seiner Kunstarbeit erwarten. Das NRW-Forum zeigt die größte Ausstellung, die Breuning bisher in Deutschland hatte. Sie führt durch Werke, die von der Zeit, in der er lebt, anderen Künstlern oder auch manch einer spielerischen Banalität inspiriert wurden. Er unterstreicht selbst, dass nicht jedes seiner Werke unbedingt intellektuell gedeutet werden muss. Viele seiner Werke entstehen einfach aus dem Bauch heraus, sind Abbilder für das, was ihn umgibt und gerade interessiert.

Breuning betont, dass eine zentrale Aussage seiner Kunst die reine Ironie ist. Seine Werke sollten am besten immer mit einem Augenzwinkern im Hinterkopf betrachtet werden. Viele von ihnen bearbeiten klassische Motive und bringen diese in eine neue Form. So kreierte er seine eigene Version von Warhol’s Marilyn oder betreibt Bodypainting im Stil verschiedener berühmter Künstler. Diese großflächigen Fotografien seiner „Art Freaks“ füllen den gesamten hinteren Teil der Ausstellungsräume und zeigen seine Art der Huldigung aber auch die Kritik an verschiedenen Künstlern.

Geprägt wurden einige seiner Arbeiten auch von anderen Kulturen. Mitten im Raum begegnet dem Museumsbesucher ein Tisch mit bunten, lustigen Skulpturen, die Essen darstellen. Inspiriert wurde er hierbei von „Shokuhin-Sanpuru“, den Essensimitaten, die man in vielen japanischen Restaurantschaufenstern finden kann. Seine „Eatmes“ wurden passenderweise bereits im Land ihrer Originale im Mori Art Museum Tokyo ausgestellt. Auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes steht dann die chinesisch inspirierte Variante „Chinatown Sculptures, der Teich“. Diese wiederum zeigt kein Essen, wurde aber aus Tellern und Schüsseln zusammengebaut, die Breuning in einem riesigen Geschäft eben dort, in einer Chinatown, fand. In einer anderen Art und Weise gestaltete er die steinernen Moais auf den Osterinseln um, indem er ihnen das Aussehen von „Easterbunnies“ verlieh.

Auch filmisch hat sich der Schweizer Künstler betätigt. „Home“ 1, 2 und 3 laufen in drei abgetrennten Boxen nebeneinander mit einer Länge von jeweils etwa 30 Minuten. Eingezäunt sind die Boxen von den bereits erwähnten „Art Freaks“ – ebenso freakig sind die Filme. Wer genügend Zeit mitbringt, kann sie sich komplett anschauen, aber auch schon kurze Sequenzen vermitteln den „Wahnsinn, den wir Realität nennen“. In jedem dieser Filme zeigt uns Brian Kerstetter verschiedene Orte dieser Welt durch seine „westlichen Augen“. Durchzogen von witzigen und absurden Szenen bleibt die Kritik an einer rein westlichen Sichtweise auch hier nicht unentdeckt.

Ein absolutes Highlight der Ausstellung soll hier noch erwähnt werden. Sie ist nicht zu übersehen und begrüßt jeden Besucher am Eingang zum linken Flügel des Museums: die „Sand Sculpture“. Bereits 2008 lag sie am Miami Beach. Zusammen mit fleißigen Helfern der Sandcity-Crew wurde die überdimensionale Frauengestalt mit einem von Paul Klees „Senecio“ inspirierten Gesicht aus 16 Tonnen Sand vor Ort „gebaut“. Einzig und allein Wasser und Druck wurden – neben dem unvermeidlichen Sand natürlich – zum Bau der Skulptur verwendet. Sie ist in ihrem massiv wirkenden Äußeren somit doch vergänglich und jederzeit vom Verfall bedroht.

Wer die vergänglichen und unvergänglichen Werke von Olaf Breuning sehen möchte, kann das im NRW-Forum jeden Tag (auch montags) tun. Lachen und wundern ist erlaubt und das „Augenzwinkern“ solltet ihr auch nicht vergessen.

Viel Spaß!

Ausstellungsansicht Olaf Breuning: Marilyn 10, 2010 / NRW-Forum Düsseldorf, Foto B Babic

Ausstellungsansicht Olaf Breuning: The Art Freaks, 2011 / NRW-Forum Düsseldorf, Foto B Babic

Ausstellungsansicht Olaf Breuning: The Eatmes, 2007 / NRW-Forum Düsseldorf, Foto B Babic

Ausstellungsansicht Olaf Breuning / NRW-Forum Düsseldorf, Foto B Babic

Ausstellungsansicht Olaf Breuning: Sand Sculpture, 2016 / NRW-Forum Düsseldorf, Foto B Babic


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