NRW-Forum 2.0: Neustart für das „Museum der Herzen“. Interview mit Alain Bieber

05. Februar 2015

Alain Bieber, © NRW-Forum Düsseldorf, Foto Melanie Zanin

Art in Düsseldorf: Ihre Vorgänger im NRW-Forum haben sich zum Abschluss die Ausstellung „Fotografen, die wir immer schon gerne gezeigt hätten“ gegönnt. Was würden Sie gerne in den nächsten fünf Jahren zeigen, wenn Sie vollkommen freie Hand und keine Geldsorgen hätten?

Alain Bieber: So konkret kann ich das jetzt noch nicht sagen. Aber ich würde auf jeden Fall sehr stark internationale Gäste einladen. Beispielsweise die Selfie-Queen Lady Gaga.

Art in Düsseldorf: Damit sind wir schon bei Ihrer ersten Ausstellung, die voraussichtlich vom 19. September 2015 bis Anfang Januar 2016 stattfindet. Worum geht es dort?

Alain Bieber: Sie heißt „EGO UPDATEDIE ZUKUNFT DER DIGITALEN IDENTITÄT“ und geht der Frage nach, wie das digitale und technologische Weltgeschehen in die menschliche Identität eingreift und was dies für unsere Gesellschaft bedeutet? Dabei spielen Themen wie Selfies und Selbstinszenierung, Internet-Meme, Social Web, Avatare, Cyborgs sowie Anonymität im Internet, Modelle fiktionaler Identitäten und Datenschutz eine Rolle. Düsseldorf ist ja Deutschlands Selfie-Hauptstadt, also liegt das Thema nahe. Die Gruppenausstellung zeigt internationale und nationale Künstler, darunter Fotografen, Designer und auch Start-ups aus der Kreativwirtschaft. Und sie ist ein Kooperationsprojekt mit den Goethe-Instituten in Frankreich, Portugal, Spanien, Italien, Belgien und Deutschland sowie dem Slow Media Institut aus Bonn.

Art in Düsseldorf: Also NRW-Forum 2.0?

Alain Bieber: Das könnte man so sagen. Ich werde das NRW-Forum Düsseldorf in eine lebendige Ideenfabrik verwandeln, in eine Agora der Kultur, mit Ausstellungen, Screenings, Workshops, Symposien, Festivals – es wird Projekte für die ganze Familie und für alle sozialen Schichten geben. Ich werde mit dem Programm auch versuchen Menschen zu erreichen, die normalerweise nicht in Kultureinrichtungen gehen. Ich glaube an das kulturelle Kapital und daran, dass kulturelle Bildung eine tragende Säule unserer Gesellschaft und Demokratie ist. Und ich glaube, dass kulturelle Institutionen gesellschaftliche Themen aufgreifen sollten – aber ich werde auch beweisen, dass all diese „ernsten“ Themen auch extrem viel Spaß machen können.

Art in Düsseldorf: Als es um die Rettung des Hauses ging, wurde auch über eine Kooperation mit dem Londoner Victoria & Albert Museum nachgedacht. Ist das noch ein Thema?

Alain Bieber: Unsere zweite Ausstellung übernehmen wir von dort. Sie widmet sich dem deutschstämmigen Modefotografen Horst P. Horst. Der hat in den 20er-Jahren bei Dozenten des Bauhauses gelernt. Aber seine Karriere war nicht nur eng mit den Kunstströmungen seiner Zeit verbunden, sondern auch mit der VOGUE, für die er regelmäßig und fast ausschließlich exklusiv arbeitete. Seine Fotos sind nicht nur sehr beeindruckend, sondern haben auch einen hohen Glamourfaktor.

Art in Düsseldorf: Stichwort Kassenschlager – Ihre Ex-Kollegen vom „Art Magazin“ haben geschrieben, dass das NRW-Forum bisher nicht gerade anspruchsvolle Ausstellungen gezeigt habe und lieber dem Mainstream gefolgt sei. Schließen sich Masse und Klasse tatsächlich aus?

Alain Bieber: Nein, das ist kein Widerspruch. Deshalb habe ich ja die letzten Jahre beim deutsch-französischen Kultursender Arte gearbeitet, der populäre Themen und einen hohen Anspruch miteinander verbindet. Mit dem Thema unserer ersten Ausstellung können wir den unterschiedlichen Zielgruppen etwas bieten: Sowohl Diskurs als auch Experimentelles oder Unterhaltung. Auch in Zukunft wird es im NRW-Forum Promis geben oder einen Champagner-Ausschank.

Art in Düsseldorf: Was verbinden Sie mit dem NRW-Forum und der Stadt Düsseldorf?

Alain Bieber: In meiner Wahrnehmung ist das NRW-Forum ein „Museum der Herzen“. Mit einem jungen, offenen und engagierten Publikum. Das zeigte sich besonders, als die Schließung des Hauses im Raum stand. Daran will ich anknüpfen und auch neue Wege in der Partizipation gehen. Obwohl ich ja in der Nachbarschaft geboren bin, in Wesel im Niederrhein, war ich noch nicht so oft in Düsseldorf. Aber dafür gleich beim ersten Mal im Ehrenhof – splitternackt, als Teilnehmer bei der legendären Fotoaktion von Spencer Tuning.

Art in Düsseldorf: Ihr Motto?

Alain Bieber: Von mir kann man vieles erwarten, nur keine Langeweile!


Adresse & Kontakt

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