Neuer Zuwachs für die Künstlerräume des K21 Ständehaus

31. August 2015

Chiharu Shiota, Installation "A Long Day", 2015, Foto: Sunhi Mang, © Künstlerin

Was geschieht, wenn ein Künstler einen ganzen Raum gestaltet und selbst die Tätigkeit des Kurators übernimmt? Es entsteht ein ganz einzigartiger Künstlerraum. Das geschieht gerade in der Kunstsammlung NRW Ständehaus – K21. Die Künstler sind frei in ihrem Tun, sollen aber die besondere Architektur des Hauses und ihres eigenen Raums – jeder ist anders geschnitten – auf sich wirken lassen.
Auf drei Etagen entsteht so eine besonders abwechslungsreiche Ausstellung, die in jedem Raum etwas Neues, etwas Anderes, bietet. Von Bildern über Skulpturen bis hin zu Installationen ist vieles vertreten, von offen und hell bis bedrückend und dunkel. Dabei sind nationale und internationale Künstler vertreten.
Seit Kurzem steht dem Besucher des K21 ein neuer Künstlerraum offen, in dem die beiden Werke der japanischen Künstlerin Chiharu Shiota gezeigt werden. In Raum 3.6 präsentiert die 1972 in Osaka geborene Wahl- Berlinerin ihre Arbeiten mit Wollfäden in Zusammenhang mit diversen Gegenständen. Sie verstrickt sie zu einem dichten Netz, das sowohl Leichtigkeit nimmt als auch gibt. Der erste Eindruck weicht dem zweiten, bis beide Eindrücke zusammengenommen eine ganz neue Sicht entstehen lassen.
Beim ersten Betreten ihres Künstlerraums „A long day“ fühlt sich der Besucher für einen kurzen Moment selbst ein wenig erdrückt. Die schwarzen Fäden bilden ein Geflecht, das zwar einen geräumigen Durchgang bietet, aber die Gegenstände im Raum – Tisch, Stuhl und leere Papierseiten – komplett einspinnt. Sie scheinen in der Wolle gefangen und regungslos zu sein.
Auf den zweiten Blick jedoch vermittelt der Raum das Gefühl von Freiheit, denn das Netz zeigt eine neue Bedeutung. Anstatt nur alles zu verschlingen und in sich einzuspinnen, trägt es das Papier wie ein Windstoß durch diesen Raum. Lediglich durch die Fäden wird das Papier getragen und gehalten und ein dichtes Netzwerk wird zum Abbild der Leichtigkeit von Luft und Wind.
Dieser Widerspruch des Festhaltens auf der einen und der Freiheit auf der anderen Seite wird auch im zweiten Werk von Chiharu Shiota thematisiert. „State of Being (Dress)“ zeigt ein voluminöses weißes Kleid, das in einem Quader, der an einen Schaukasten erinnert, festgehalten wird. Das Kleid wird auch hier gleichsam von den Fäden eingesponnen, kann dadurch aber auch in der Luft schweben. Die Schwere geht mit der Leichtigkeit Hand in Hand. Wenn auch das Festgehalten werden im Titel des zweiten Werks viel mehr hervorsticht und mit der absoluten Starre des Kleids einhergeht, kann es dennoch nur durch die Fäden im Raum schweben.
Alle Künstlerräume können zusammen mit den Ausstellungen besucht werden. Führungen zu den Räumen finden regelmäßig im K21 statt.

Hans-Peter Feldmann Das Schattenspiel, o.J. Leihgabe des Künstlers © VG Bild- Kunst, Bonn 2012

Katharina Fritsch 6. Zeitungsillustration (“Überfall auf ein Mädchen durch ein Krokodil”), 2008 Kunstsammlung Nordrhein- Westfalen, Düsseldorf © VG Bild- Kunst, Bonn 2014

Anna Oppermann Anders sein (“Irgendwie ist sie so anders…”), 1970 – 1986 Installationsansicht: Galerie Maeght, Zürich, 1980 (Detail) Kunstsammlung Nordrhein- Westfalen, Düsseldorf Foto: Anna Oppermann © Nachlass Anna Oppermann / Courtesy Barbara Thumm

Christian Boltanski El Caso, 1988 Kunstsammlung Nordrhein- Westfalen, Düsseldorf © VG Bild- Kunst, Bonn 2012, Foto: Achim Kukulies, Düsseldorf


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