Moskauer Glanz der Zarenzeit – Keramische Schätze aus dem Museum Kolomenskoje

07. November 2016

Hetjens: Moskauer Glanz der Zarenzeit – Keramische Schätze aus dem Museum Kolomonskoje Ausstellungsplakat

Ein ganz neu gestalteter Raum im Erdgeschoss des Museums öffnet seine Pforten für die bunte und faszinierende Welt der russischen Kachelkunst. Diese ist gleichzusetzen mit der Kachelkunst Moskaus, denn hier war das Zentrum dieses Handwerks und die Meisterwerke konnten und können dort immer noch in ihrer vollen Pracht begutachtet werden.

Für die Besucher der Sonderausstellung im Hetjens erschließt sich diese besondere Kunst aber bereits in Düsseldorf. Hier wird die Kunst der Kachelgestaltung für jeden zugänglich gemacht und zeigt eine farbenfrohe Zeitreise in Russlands Zarenzeit. Es wurden allerdings nicht nur Öfen reichlich verziert, sondern ebenso Häuser von innen und außen oder sogar Klöster, Kirchen und Paläste. Dieser Architekturstil, der bereits im 17. Jahrhundert das Herz der Kachelkunstfans höherschlagen ließ, nennt sich auch „Moskauer Barock“. Und zu einem dieser Fans können Besucher der Ausstellung schnell werden.

In den Vitrinen werden Kacheln mit faszinierender Farbgebung und Reliefs gezeigt. Aber auch jene Art, die Peter der Große in Russland einführte. Im 18. Jahrhundert brachte er von seinen Reisen die Innovation der flachen Kacheln mit erzählerischen Dekoren mit. Diese Gestaltung war den holländischen Fliesen nachempfunden und zeigen detaillierte Malereien, die besonders für Öfen verwendet wurden.

Aber auch jene Kacheln mit Reliefs verzierten vielerlei Öfen, die nicht ausschließlich im Zarenpalast verwendet wurden, sondern auch als eine Art „Bausatz“ erworben werden konnten. So war die prachtvolle Verzierung nicht nur den sehr reichen Familien in Russland vorbehalten.

Die Kacheln an Wänden und Dächern erfreuten sich in Russland ebenfalls großer Beliebtheit. Da es schon früh möglich war, sie zu glasieren, erzeugten sie einen ganz besonderen Glanz für ein Gebäude. Schien die Sonne auf ein kachelbedecktes Kirchendach, spiegelten sie diese wider, was ein Leuchten erschuf, welches außerhalb Russlands seinesgleichen suchte. Eine solch besonders alte Kachel von einem Kirchendach wird ebenfalls ausgestellt. Im ersten Moment scheint sie neben den anderen, kunstvoll gestalteten Kacheln, zu verblassen. Die Besonderheit, eine der ersten glasierten Kacheln zu sein sowie ihre Geschichte und Herkunft, lässt sie dennoch erneut in Glanz erstrahlen.

Auch wenn alle ausgestellten Stücke etwas Besonderes an sich haben, von speziellen Orten kommen und wundervoll verziert sind – mit Relief oder flach – sollen hier doch noch zwei Exponate hervorgehoben werden:

Beide Stücke wurden von Michail Wrubel (1856-1910) geschaffen, der wohl der bekannteste Vertreter des russischen Symbolismus war. Zum einen können sich die Besucher einen Löwenkopf anschauen, der schon fast kubistische Züge trägt. Die Farbgebung bei diesem Exponat ist je nach Betrachtungswinkel unterschiedlich. Dieser Effekt wird durch die hier angewandte Lüsterglasur erzielt, die dem Objekt einen metallischen Glanz verleiht. Allerdings ist jede Glasur ein Zufallsprodukt, da im Vornherein nie genau bestimmt werden kann, wie die Farbe nach dem Brennen wirklich aussehen wird.

Dieser Effekt ist auch bei dem zweiten zu erwähnenden Exponat, der Kaminverkleidung „Mikula Seljaninowitsch und Wolga“, sichtbar. Hier kann man erahnen, dass Wrubel u.a. auch als Bühnenbildner gearbeitet hat. Die Verkleidung wirkt fast wie eine Theaterbühne, die dem Betrachter gerade die Geschichte aus dem Titel erzählt. Die 154 Teile zeigen einen wunderschönen Farbverlauf, der sogar schon auf der Weltausstellung 1900 in Paris mit der Goldmedaille prämiert wurde.

Kacheln sind nun einmal nicht immer einfach nur Kacheln. Die Kacheln, die in dieser Ausstellung präsentiert werden, laden dazu ein, sie länger und eingehend zu betrachten. Sie erzählen Geschichten und Geschichte, präsentieren immer neue Details und fabelhafte Farben – oftmals ein spezielles Blau und Grün, das in Moskau besonders beliebt war.

Die Ausstellung ist ein gelungener Weg, die Städtepartnerschaft zwischen Moskau und Düsseldorf zu feiern und wird von einem abwechslungsreichen Begleitprogramm für Groß und Klein abgerundet.

Mehr Informationen zum Begleitprogramm gibt es hier >>>


Adresse & Kontakt

Hetjens-Museum – Deutsches Keramikmuseum
Schulstraße 4
40213 Düsseldorf
Tel: +49 211 8994210
Fax: +49 211 89291 66
www.duesseldorf.de/hetjens
hetjensmuseum@duesseldorf.de

nach oben