Meisterhaftes Pink!

23. April 2015

Zwei Möpse Modell Johann Joachim Kaendler Meissen, 1741-1747 Sammlung Ernst Schneider, Düsseldorf Fotograf: Dr. Wilko Beckmann

Mit der Studioausstellung „Pink Porcelain – Porzellanmalerei von Rosa bis Purpur“ im Hetjens-Museum hat Dr. Wilko Beckmann, Volontär im Haus, sein Meisterstück abgeliefert. Zum Abschluss seines Volontariates kuratierte und realisierte Beckmann, ausgehend von den Sammlungsbeständen des Hauses, eine eigene Studioausstellung. Beckmann entschied sich für ein Ausstellungsthema, das rund um die Farben Rosa bis Purpur kreist. Wieso gerade diese Farbpalette? Als Beckmann die Sammlungsbestände im Depot des Museums nach einer zündenden Idee durchstöberte, blieb sein Auge an einem auffälligen Paar Deckelvasen aus China aus der Qianlong-Zeit ( 1736-1795) hängen, dessen Hauptfarbe ein blasses Rosa ist. Das war es! Die pinkfarbene Idee war geboren!

Die ausgewählten Ausstellungsstücke, die aus den eigenen Beständen stammen, aber auch ausgeliehen wurden, veranschaulichen auf das Schönste, wie Rosa seinen Siegeszug auf dem Porzellan antrat. Vom sogenannten Famille rose-Porzellan aus China, zu dem auch die beiden ideengebenden Deckelvasen gehören über Purpur in seinen verschiedenen Anwendungsformen bis zum Rose Pompadour, einer besonders delikaten Farbe, die ihren Namen der porzellanbegeisterten Madame de Pompadour verdankt, reicht die Palette. Große Blumenschalen und Obstkörbe konkurrieren mit einem Schokoladen-Service für eine Person. Eine anmutige Tänzerin trifft auf den Dudelsackpfeifer aus der Affenkapelle und der Platte „Antikzierat“ aus dem „Roten Tafelservice“ Friedrichs des Großen sieht man deutlich an, dass es kein Schaustück, sondern im regen Gebrauch war. Liebevoll sind die Ausstellungsstücke arrangiert. Das wunderschöne, einst als Geschenk für das dänische Königshaus in Sèvres hergestellte Dessert-Service mit rosa Fond, dessen Teller mit kunstvollen Landschafts- und Städteansichten von Schottland bis nach Jerusalem dekoriert sind, wird auf einer weißen Damast-Tischdecke präsentiert, die der Urgroßmutter von Beckmann gehörte und die zum Reinbeißen verlockenden, täuschend echt aussehenden Petits Fours auf dem Tafelaufsatz hat Beckmann selber hergestellt.

Bei einem Rundgang durch die Ausstellung mit Beckmann erfährt man nicht nur alles über die Popularität der Farbe Rosa auf kostbarem Porzellan, sondern auch allerlei Kurioses. So überrascht den Besucher ein Mopspärchen, das blumengeschmückt auf rosafarbenen Paradekissen thront und seelenvoll nach oben schaut. Beckmann erklärt, dass es im 18. Jahrhundert einen Mopsorden gab, eine Gesellschaft mit freimaurerischer Prägung, die die Regeln der Freimaurer galant verspielt parodierte. So mussten die Mitglieder, die sich selber Möpse nannten, in einem Aufnahmeritual das Hinterteil eines Mopses küssen, was zur Herstellung zahlreicher, großer Porzellanmöpse führte! Keineswegs um Putti handelt es sich bei den auf einem Tablett und einer Teekanne von der KPM Berlin abgebildeten Figuren, sondern vielmehr um „Fliegende Kinder“ in Wolken, wie im Modellbuch vermerkt ist. Und der Farbe Bleu Mourant, dem „sterbendem Blau“, der Lieblingsfarbe Friedrichs des Großen, verdanken wir den deutschen Ausdruck „blümerant“.

Gar nicht blümerant, sondern heiter beschwingt verlässt man diese kleine, anmutige Ausstellung. Vielen Dank Herr Dr. Beckmann und alles Gute für ihren weiteren beruflichen Werdegang!

Zwei Möpse Modell Johann Joachim Kaendler Meissen, 1741-1747 Sammlung Ernst Schneider, Düsseldorf Fotograf: Dr. Wilko Beckmann

Nächste Kuratorenführungen mit Dr. Wilko Beckmann
Mi, 29. April, 18 Uhr
Mi, 27. Mai, 18 Uhr

Finally Pink Führung und Finissage
So 14. Juni, 15 Uhr


Adresse & Kontakt

Hetjens-Museum – Deutsches Keramikmuseum
Schulstraße 4
40213 Düsseldorf
Tel: +49 211 8994210
Fax: +49 211 89291 66
www.duesseldorf.de/hetjens
hetjensmuseum@duesseldorf.de

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