„Liu Xiaodong – Langsame Heimkehr“ Episode 1: Kunsthalle

11. Juni 2018

Liu Xiadong, Three Girls Watching TV, 2001, The Sander Collection

Es regnet gerade in Strömen, als Liu Xiaodong von seiner Arbeit erzählt. Bestes Museumswetter, da man im Trockenen verweilen kann. Liu aber braucht keinen Regen, um die Menschen ins Museum zu bekommen – sein Werk wirkt für sich selbst und das sehr intensiv. So ruhig der Künstler als Person erscheinen mag, so viel hat er in seinen Bildern zu erzählen. Und das wird nun direkt in zwei Museen der Landeshauptstadt gezeigt.

Nicht nur die Retrospektive des Künstlers, der in Asien schon lange ein Superstar ist, stellt eine Weltpremiere dar. Auch die Zusammenarbeit zweier Ausstellungshäuser in Düsseldorf zählt zu solch einer Premiere. Umso schöner ist es, dass diese Kooperation stattfindet und das Werk Lius breiter ausstellt. So werden verschiedene Perspektiven für die Besucher geschaffen, um die verschiedenen Aspekte von Lius Arbeit darzustellen.

Kommen wir zuerst zur Ausstellung in der Kunsthalle. Der Schwerpunkt hier liegt auf dem malerischen Schaffen Lius. Primär wird er auch als Maler verstanden, das würde seine Arbeit aber unvollständig abbilden, wie die Besucher beim anderen Teil der Ausstellung im NRW-Forum erkennen werden.

Die Ausstellung „Langsame Heimkehr“ zeigt Bilder von 1983-2018. Eigentlich ist die langsame Heimkehr – der Titel wurde durch das gleichnamige Buch von Peter Handke geprägt – ein Verlassen der alten und Wiederkehren zu einer neuen Heimat. Besser gesagt, die Ausstellung ist in vier Kapitel aufgeteilt, die in Lius Geburtsdorf Jincheng (Liaoing-Provinz) beginnt: „Home Town“. Doch Liu ist ein Reisender und verlässt die einstige Heimat, auch wenn das zuerst nur in China selbst möglich ist. Das zweite Kapitel der Ausstellung bezieht sich also auf diese Reisen innerhalb des Heimatlandes: Inside China. Das dritte zeigt dann die Reisen, die Liu letztendlich auch ab 1993 außerhalb Chinas weltweit machen konnte: Outside China. Das vierte und letzte Kapitel behandelt die Rückkehr nach Beijing, der neuen, selbstgewählten Heimat Lius: „Coming Home“.

Liu malt, was er sieht. Das mag plausibel erscheinen, aber er malt wirklich genau das, was er sieht. Er verändert beispielsweise keine Farben, damit sie im Gesamteindruck stimmiger erscheinen, er macht keine Skizzen und beginnt dann mit dem Pinsel. Er malt direkt auf die Leinwand und ist dabei auch ein Meister darin, die Farben der Realität in kürzester Zeit genau nachzumischen. Er malt wie einst Cézanne direkt vor dem Motiv und nicht aus der Erinnerung oder von Fotos.

Von seiner Heimat, seinen Reisen im In- und im Ausland, malt er Bilder, die die diversen Kulturen festhalten. Szenen, die die Realität wiedergeben und nicht verklären, wie es leider so viele Medien tun. Er verlässt sich auf seine eigenen Erfahrungen und Erlebnisse, auf seine eigene Wahrnehmung. Er malt Bilder, die den Alltag wiedergeben – den Alltag von Gewalt und Tod, von Ritualen und Kulturen, von Umweltkrisen und wirtschaftlichen Umwälzungen, von Vertriebenen und Minderheiten – den Bedingungen des Menschseins.

Und mittendrin gibt er Einblicke in sein ganz persönliches Leben. Das geschieht sowohl im NRW-Forum mit Fotos aus seinem privaten Umfeld als auch in der Kunsthalle. Hier ist ein Pavillon mit blau-weißen Aquarellen eingebaut in die großflächigeren Arbeiten des Künstlers. Separiert und doch mittendrin zwischen den anderen Bildern sieht man persönliche kleine Familienbilder in ganz zurückgenommenen Farben.

Die Reise Liu Xiaodongs zu begleiten, lohnt sich. Sie zeigt Kulturen und besonders oft zeigt es, wie unvoreingenommen und doch klar Lius Blick für Menschen und Szenen ist. Nach den Eindrücken in der Kunsthalle kann jeder Besucher eine eigene kleine Reise durch die Stadt antreten: Vom Grabbeplatz zum Ehrenhof (oder natürlich auch in umgekehrter Reihenfolge) und sich den anderen Teil der Doppelausstellung im NRW-Forum ansehen.

Ausstellungsansicht “Liu Xiaodong – Langsame Heimkehr” Kunsthalle

Ausstellungsansicht “Liu Xiaodong – Langsame Heimkehr” Kunsthalle

Ausstellungsansicht “Liu Xiaodong – Langsame Heimkehr” Kunsthalle


Adresse & Kontakt

Kunsthalle Düsseldorf
Grabbeplatz 4
40213 Düsseldorf
Tel: +49 211 8996240
www.kunsthalle-duesseldorf.de

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