Kurzer Aufstieg – langer Fall: Caspar David Friedrich und die Düsseldorfer Romantiker

16. October 2020

Caspar David Friedrich Felsenriff am Meeresstrand, 1824 22x31 cm Öl auf Leinwand Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, © Gnamm – ARTOTHEK

Zu seinen Lebzeiten war Friedrich nur wenige Jahre als Künstler anerkannt. Seine Karriere war ein kurzer Aufstieg und ein langer Fall. Wiederentdeckt wurde Friedrich erst viele Jahre nach seinem Tod mit dem aufkommenden Symbolismus. Die Jahrhundertausstellung 1906 brachte den endgültigen Durchbruch.

Zeitgenossen wie Goethe konnten Friedrichs Malerei nichts abgewinnen. Im Gegenteil, der Dichterfürst hoffte, seine Kritik möge „wie eine Bombe in den Kreis der nazarenischen Künstler hineinplumen; es ist gerade jetzt die rechte Zeit ein zwanzigjähriges Unwesen anzugreifen, mit Kraft anzufallen und in seinen Wurzeln zu erschüttern.“ Die Kritik zielte auf Leere und Negationen – das Verlorene, das Eisige, das Beklemmende der Landschaften, das Friedrichs Landschaften ausmacht, wurde den „lebensbejahenden Naturbildern“ anderer Maler entgegengesetzt.

Vernichtende Kritik des Dichterfürsten

„Das Credo der Weimarer Klassizisten sollte alsbald zum allgemeinen Konsens bildungsbürgerlicher Kunstanschauung werden und einen grundlegenden Geschmackswandel befördern“, heißt es im Katalog zur Ausstellung. An Friedrich ging das nicht spurlos vorbei. Eine gesicherte akademische Position blieb ihm versagt und trotz aller Bemühungen bekam er keine Professur. Das lag auch an den “Düsseldorfer Romantikern”, bekannt als Düsseldorfer Malerschule, an Malern wie Achenbach oder Schirmer und ihren Schülern. Deren Malerei entsprach viel mehr dem Zeitgeschmack. “Das ist wie Autorenkino und Hollywood”, bringt es Felix Krämer, der Generaldirektor des Kunstpalast auf den Punkt.

Die Ausstellung – und das macht sie so spannend – stellt künstlerische Positionen direkt gegenüber. Die Themen und Motive sind ähnlich, die Ausführung liegt Welten auseinander. In acht Kapiteln – von Atelierszenen über “Hymne an die Nacht” bis zu heimischen Landschaften – werden beide gezeigt: Friedrich und seine Zeitgenossen.
Nirgendwo ist der Kontrast größer als bei den “Meerbildern”. Beklemmende Stille und Einsamkeit angesichts der Unendlichkeit und Weite des Meeres oder Kontemplation bei der Betrachtung eines Felsenriffs bei Friedrich. Ungeheure Dramatik der entfesselten Natur etwa beim Seesturm von Andreas Achenbach.

Allegorische Aufladung der Landschaft

Natur war für Friedrich der Inbegriff des Göttlichen. Sein “Kreuz im Gebirge verschmilzt mit den Tannen und der gotischen Architektur, um himmelwärts zu streben. Diesen besonderen Zugang und seinen ganz eigenen Stil hat der Maler zeitlebens beibehalten – auch gegen den herrschenden Zeitgeschmack und obwohl seine Bilder vom Kunstmarkt verschwanden. Völlig vergessen wurde Caspar David Friedrich nie, aber erst die Weltausstellung 1906, mehr als 60 Jahre nach seinem Tod bereitete den Weg für ein neues, ein anderes Verständnis.

Die Ausstellung im Kunstpalast wurde realisiert in Zusammenarbeit mit dem Museum der bildenden Künste Leipzig und zeigt Leihgaben aus aller Welt. Die Ausstellung ist zu sehen bis zum 7.2.2021.

Viel Spaß beim Besuch.

Andreas Achenbach; Ein Seesturm an der norwegischen Küste, 1837; Öl auf Leinwand, 179 × 272 cm; Städel Museum, Frankfurt am Main; © Städel Museum–ARTOTHEK


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