KOMM: Eine Klangskulptur lädt ein zum Verweilen

26. Oktober 2015

KOMM: Ein Projekt der Klasse Prof. Buetti

Besucher, die ein Museum betreten, erwarten meist eine visuelle Darbietung. Das Auge steht im Mittelpunkt, der Besucher ist ein Betrachter. Die neue Ausstellung KOMM im KIT – Kunst im Tunnel allerdings richtet den Fokus auf das Hören. Der Besucher lauscht dem Klang, das Visuelle passiert nur vor dem inneren Auge.

Das unterirdisch, beinahe komplett abgeschottete KIT im Rheinufertunnel eignet sich hervorragend für eine Klangskulptur, die das Ohr dem Auge überlegen macht und die Phantasie in einem anderen Maße anregt als ein Gemälde oder Ähnliches.

Was passiert mit dem Besucher, wenn er absolut nichts zu sehen bekommt? Außer einen abgedunkelten Raum, der nur so viel Licht zulässt, wie unbedingt nötig. Die Wände sind lediglich geschmückt von 46 Lautsprechern, die die Klangskulptur erzeugen. Im Raum selbst liegen große Kissen, die dazu einladen zu verweilen, die Klänge auf sich wirken zu lassen, sich in ihnen zu verlieren.

Der Loop der Klangskulptur wiederholt sich nach 25 Minuten, an den beiden Enden des Raums jedoch wiederholen sich andere Schleifen, die in der Mitte kaum oder gar nicht wahrgenommen werden. Eine Frau weint weit entfernt vom Eingang der Ausstellung, an dem Ende, das man beim Durchwandern als letztes erreicht. Am anderen Ende, in der Nähe des Eingangs wiederum, lädt uns ein Lautsprecher dazu ein, mit ihm abzuhängen, was am besten im Sitzen oder Liegen geschieht, da die Decke hier immer niedriger wird.

Der Rest des Raums wird durchzogen von dem 25-minütigen Loop, der sowohl Gitarrenklänge als auch Gespräche, Aufforderungen oder ein langes, meditatives „Om“ beinhaltet. Besonders jetzt laden die Kissen dazu ein, es sich gemütlich zu machen, das „Om“, das sich mehr und mehr ausbreitet, aufzunehmen, die Augen zu schließen und einzutauchen in den Klang. Allerdings sollten sich die Besucher in Acht nehmen. So abrupt wie sie in die Meditation hineingezogen werden, so plötzlich werden sie auch wieder hinausgeschleudert. Wie der Wecker den Schlafenden aus seinen Träumen reißt, so katapultiert das anschließende Gespräch den Besucher aus dem „Om“, das auf seinem Höhepunkt endet.

Egal was gerade zu hören ist. Ob sich der Klang aus der Mitte des Raums entfaltet oder vom Eingang her von Lautsprecher zu Lautsprecher „springt“ und den Besucher so mit sich auf die Reise durch den ganzen Raum nimmt. Der Zuhörer entscheidet, wie lange er wo verweilt und kreiert somit eine ganz individuelle Klangzusammenstellung. Die Klänge dazu können ebenso provozierend oder unangenehm wirken, wie mitleiderregend oder entspannend.

So lösen die Klänge Assoziationen in uns aus wie auch Gemälde dies tun (können) – nur von einem anderen Sinnesorgan ausgehend.

Begleitend zu der Ausstellung gibt es ein Künstlerbuch, das einen Teil der visuellen Kunst zurückbringt und mit der im Fokus stehenden auditiven Klangskulptur verbindet.

Bis zum 17.1.2016 können sie sich die Ausstellung anhören und sich ihre eigene Variante der dort installierten Klangskulptur “zusammenbasteln”.

KOMM – Ein Projekt der Klasse Prof. Buetti


Kontakt

KIT – Kunst im Tunnel
Mannesmannufer 1b
40213 Düsseldorf
Tel: +49 211 8920769
kit@kunsthalle-duesseldorf.de
www.kunst-im-tunnel.de

Postanschrift
c/o Kunsthalle Düsseldorf
Grabbeplatz 4
40213 Düsseldorf

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