Hinter dem Vorhang – Enthüllungen und Verpackungen

04. Oktober 2016

Tizian, Portrait of Cardinal Filippo Archinto, 1558, Oil on canvas, 114,8 x 88,7 cm © Philadelphia Museum of Art: John G. Johnson Collection, 1917, Foto: Philadelphia Museum of Art

Am Anfang war das Bild. Das Bild des antiken Malers Zeuxis, der Trauben so täuschend echt malen konnte, dass die Vögel daran picken wollten. Aber sein Malerkollege Parrhasios lud Zeuxis ein, sein neues Werk zu betrachten, das hinter einem Vorhang verborgen war. Und Zeuxis bemühte sich, den Vorhang beiseite zu ziehen. Aber der Vorhang war nur gemalt – und das Bild selbst. Damit beginnt die Geschichte des trompe l’oeil und die der Verhüllungen und Enthüllungen in der Kunst. Hunderte von Jahren haben in der Kunst Vorhänge, Tücher, Schleier, haben Verhüllungen – und Verpackungen – als Thema eine Rolle gespielt. Die neue Ausstellung im Museum Kunstpalast (MKP) im Ehrenhof hat sich ihrer angenommen und viele Bilder in Bildern und noch mehr Bedeutungsebenen ans Licht geholt. Aber das Kuratorenteam von Beat Wismer, dem scheidenden Generaldirektor des Museums, und Prof. Dr. Claudia Blümle vom Institut für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin erliegt – natürlich – nicht der Versuchung, das chronologisch aufzuarbeiten. Die beiden setzen auf Themen.

„Vorhang auf“ heißt es in einem Teil der Ausstellung etwa. Oder „Gewalt der Enthüllung“ und „Offenbarung des Göttlichen“. Und da trifft dann Tizian auf Christo, Eugène Delacroix auf Lucian Freud, Rembrandt auf Gerhard Richter und Cindy Sherman auf Jacopo Tintoretto. Alle haben sie sich mit dem Stoff, dem Tuch, dem Vorhang, dem Schleier beschäftigt und ihn in Szene gesetzt. Der Betrachter wird zum Voyeur bei intimen Szenen oder gar Teil des Bildes wie in Ferdinand Hodlers „Nackte Wahrheit“. Manchmal sieht er, was die dargestellten Figuren nicht sehen und möchte doch manchmal mit ihnen gemeinsam gar zu gerne auch den gemalten Vorhang beiseiteschieben.

„Ich glaube, diese Ausstellung wird ein breites Publikum finden, denn Neugier ist ein menschlicher Urtrieb“, glaubt Beat Wismer. Über zwei Jahre Planung stecken in seiner letzten großen Ausstellung im MKP und insgesamt sind rund 200 Leihgaben aus aller Welt an den Rhein gereist. Es gibt so manche Anspielung auf vergangene Ausstellungen, etwa „El Greco“ oder „Zurbaran“ aber auch Bezüge zu Düsseldorf. Christos verpackter VW-Beetle von 1963 stammt von hier.

Die Ausstellung beginnt mit Vertretern der Rembrandt-Schule und Zeugnissen virtuoser Malkunst und Bildern, in denen Vorhänge mal verhüllen, mal den Blick freigeben. Immer aber konfrontiert das Kuratorenteam damit auch moderne oder zeitgenössische Kunst – Bruno Gollers Gardine von 1976 etwa. Das Schweißtuch der Veronika – ein Motiv, dem die Ausstellung über zwei Jahrhunderte Malerei nachspürt und religiöse Werke, in denen die heilige Familie schützend umhüllt wird, bilden den nächsten Themenkomplex. Weiter geht es mit der Faszination des Verborgenen und dem verbotenen Blick auf Nacktheit oder dem Vorhang als Zeichen von Macht und Würde, gefolgt von „Enthüllung und Gewalt“.

Dass das Thema in der Moderne einen großen Stellenwert hat, beweist der zweite Teil der Ausstellung mit Werken von Gerhart Richter, Neo Rauch, Sigmar Polke, Christo oder Cindy Sherman. Wieder geht es um Verbergen und Entdecken, um Inszenieren – mit Installationen, Fotografien, Malerei und Objektkunst. Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm.

Mehr Infos zum Begleitprogramm gibt es hier >>>


Adresse & Kontakt

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(allgemein)
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