Hetjens-Museum: „Liebe mich wie ich dich – Botschaften auf Keramik“; „Tisch des Monats - In Vino Veritas“; „Leiko Ikemura – Märchenwald“

16. November 2017

Apothekergefäß, Fayence, Italien, 16. Jh.

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die den Ausschlag zu einer Ausstellung geben. So geschehen bei „Liebe mich wie ich dich“. Tanja Leistner, Kuratorin der Ausstellung, hatte beim Durchsehen der Datenbank für Keramik eine Kaffeekanne aus Marburg entdeckt, die genau diesen Schriftzug, umrahmt von einem Herzen, trug. Somit war der Anfang gefunden.

Gerade jetzt, wo es wieder kälter und schneller dunkel draußen wird, sind ein paar liebevolle Worte doch genau das Richtige, um unser Gemüt wieder aufzumuntern – und das eben auch auf einer Kaffeekanne. „Liebe mich wie ich dich“ eine Aufforderung, die ebenso ausdrückt, dass der Aufgeforderte höchstwahrscheinlich sehr geliebt wird bzw. wurde.

Dennoch müssen sich die Nicht-Romantiker keinesfalls von der Ausstellung fernhalten. Liebes- und Freundesbotschaften sind nur ein Teil der Schriften auf Keramik. Das Thema wird hier größer aufgefasst. Was sind Schriften auf Keramik oder besser, welche Schriften gibt es auf Keramik und wofür wurden sie verwendet? Die Ausstellung führt uns historisch und international durch den Raum. Vorbei geht es dabei an Keilschrift und Hieroglyphen, Kanji und Maya-Glyphen (den vier Schriften, auf denen alle anderen Schriften basieren), Griechisch, Latein und Arabisch – und das natürlich immer auf verschiedenen Arten von Keramik. Besonders hierbei sind vor allem die Hieroglyphen, da man in Ägypten eher Papyrus oder Stein für Botschaften verwandte, als Keramik.

Und auch die Botschaften selbst haben ganz verschiedene Hintergründe. So kann der Besucher neben den bereits genannten Liebesbotschaften auch religiöse Botschaften sehen. Aber auch ganz banale Nachrichten sind darunter, so z.B. eine Art Lieferschein in Keilschrift (Wirtschaftsnotiz) oder schlicht der Inhalt des Kruges bei Apothekergefäßen, um Verwechslungen vorzubeugen. Und auch bäuerliche Keramik mit Botschaften können bestaunt werden. So sind riesige, farbenfrohe Teller ausgestellt, die meist als Hochzeitsgeschenke dienten und als Dekoration genutzt wurden. Außerdem Porzellantassen (ab dem 18. Jahrhundert), die mit ihren Inschriften belegen, wie wichtig zur Zeit des Biedermeiers die Freundschaft war.

Die Ausstellung zeigt somit einen schönen Querschnitt von Keramiken aus 5000 Jahren, die Botschaften tragen und den Betrachter an der Vergangenheit teilhaben lassen. Und vielleicht zeigt es uns in dieser digitalisierten Welt doch noch einmal, wie schön es ist, etwas Bleibendes für einen geliebten Menschen zu schreiben – vielleicht auch einmal selbst auf Keramik.

Passend zu der Ausstellung „Liebe mich wie ich dich“ hat Dr. Wilko Beckmann einen „Tisch des Monats“ inszeniert, der ebenfalls ein Gedeck mit Schriften und Bildern zeigt. Die herbstlich anmutende Tafel „In Vino Veritas“ greift die Thematik im ersten Stockwerk des Museums noch einmal auf. Neben dem Thema „Schrift auf Keramik“, wird der Tisch durch Weinranken auf Gläsern mit Goldrubin sowie in der zusätzlichen Dekoration ergänzt (getreu des Mottos „In Vino Veritas“). Und auch das Thema Liebe darf hier nicht fehlen. So zeigt die Figur in der Mitte der Tafel Amor, der gerade einen Liebespfeil schmiedet, damit er jemanden trifft, der seinem Gegenüber sagt: „Liebe mich wie ich dich!“.

Ein ganz anderes Bild präsentiert sich dem Besucher in der Ausstellung „Leiko Ikemura – Märchenwald“. Im dunklen Ambiente von einer mysteriösen Tonbegleitung untermalt, geht man vorbei an sieben großen Terrakotta-Statuen. Die japanisch-schweizerische Künstlerin hat rätselhafte Märchenfiguren gestaltet, die sich nicht so einfach kategorisieren lassen. Sind sie gut? Sind sie böse? Sind sie weder gut noch böse oder beides? Der Betrachter muss selbst entscheiden, was für eine Figur ihm gegenübersteht. Leiko Ikemura ließ sich bei ihren Wesen von ihren Wurzeln inspirieren, die zum einem in Europa liegen und somit in den Märchen, die auch wir noch aus unserer Kindheit kennen. Zum anderen aber greift sie auch die Märchenwelt Japans auf und vermischt die Elemente beider Welten miteinander.

Besonders faszinierend ist zudem die metallisch glänzende Glasur, die schwierig zu erzielen ist und die Figuren in Ikemuras Märchenwald noch mystischer erscheinen lässt. Dieser Teil des Hetjens nimmt das Projekt, moderne Keramik zu zeigen, erneut auf. Schon in vorherigen Projekten zeigte das Museum gekonnt, dass Keramik nicht nur altes Porzellan bedeuten muss. So schön und lieblich natürlich auch das Porzellan im Hetjens ist, so mannigfaltig präsentiert sich der Werkstoff Keramik in den wechselnden Ausstellungen, der Sammlung und eben auch in den meist sehr modern gestalteten Projekten. Ein schöner Mix für jeden Interessierten von historischer und gegenwärtiger Keramik und Keramikkunst.

Viel Spaß beim Besuch der Ausstellungen und der begleitenden Führungen und Veranstaltungen!

Kaffeekanne mit Deckel, Marburg , 18.-19.JH. “Liebe mich wie ich dich”

Leiko Ikemura: Wu-san (Ausschnitt), 2004, Terrakotta glasiert; Ausstellungsansicht im Hetjens-Museum


Adresse & Kontakt

Hetjens-Museum – Deutsches Keramikmuseum
Schulstraße 4
40213 Düsseldorf
Tel: +49 211 8994210
Fax: +49 211 89291 66
www.duesseldorf.de/hetjens
hetjensmuseum@duesseldorf.de

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