Francisco de Zurbarán: Meister der Stofflichkeit und der Details

09. Oktober 2015

Francisco de Zurbarán, Santa Casilda, ca. 1635, Öl auf Leinwand, 171 x 107 cm, Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid, © Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid

Zum ersten Mal im deutschsprachigen Raum widmet sich eine große Ausstellung Francisco de Zurbarán. Nach El Greco vor drei Jahren stellt das Museum Kunstpalast damit zum zweiten Mal einen großen spanischen Maler vor – wenn auch die beiden unterschiedlicher nicht sein könnten. Aus der ganzen Welt mussten die Bilder für die Ausstellung nach Düsseldorf geholt werden, denn das Museum selbst besitzt nur ein einziges Werk des Künstlers: Den meditierenden Heiligen Franziskus.
Aber nicht er, sondern die Heilige Casilda, gemalt um 1635, ziert Flyer, Broschüren und andere Publikationen. Und das mit gutem Grund. Denn das Bild besticht vor allem durch seine malerische Meisterschaft in der Darstellung von Licht und Schatten. Funklende Lichter auf den leuchtend rot seidig schimmernden Ärmeln des Gewandes und tanzende Reflexe auf den üppigen Stickereien der Robe zeigen, dass Zurbarán wirklich ein Meister der Details war. Auch auf anderen Bildern „springt“ die Stofflichkeit des Dargestellten den Betrachter nahezu an. Nicht umsonst hat Kurator und Generaldirektor Beat Wismer seine Mitarbeiter scherzhaft gewarnt, bei der Hängung das superrealistisch dargestellte„Agnus Dei“, das Lamm Gottes, nicht kraulen zu wollen.
Die Ausstellung zeigt aber auch, dass es Zurbarán in der Zeit der Gegenreformation wie kaum einem anderen gelang, die „mystische Konzeption des Glaubens in nachhaltig beindruckender Weise wiederzugeben“. Seine Mönche und Heiligen vermitteln eine religiöse Intensität, die auf ästhetischem Realismus aufbaut. So auch beim „Heiligen Franziskus in Meditation“, einem von insgesamt nur fünf Werken in öffentlichen Sammlungen in Deutschland.
Wie sehr der Maler des spanischen Barock auch zeitgenössische Künstler beeinflusst, zeigt Evelyn Hofers „Hommage a Zurbarán“. Die Fotografin hat sich von seinen Stillleben inspirieren lassen und sie fotografisch interpretiert. Außerdem haben sich Studenten der AMD Akademie Mode & Design von der „skulpturalen Qualität“ von Zurbaráns Gewändern beeindrucken lassen und eigene Entwürfe gestaltet. Beides ist im Rahmen dieser einzigartigen Ausstellung ebenfalls zu sehen und schlägt gekonnt die Brücke zur Gegenwart.

9 Francisco de Zurbarán, Santa Lucía, um 1645-1650, Öl auf Leinwand, 183 × 111,5 cm, The Hispanic Society of America, New York (A94), © Courtesy of The Hispanic Society of America, New York

Evelyn Hofer, Hommage à Zurbarán (Still life No. 6), New York, 1997, Dye Transfer, 42 × 53 cm, © Estate Evelyn Hofer, courtesy: Galerie m Bochum

Art & Fashion – Zurbarán inspiriert junge Designer der Akademie Mode & Design


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