Der Drache tanzt!

18. September 2015

Ma Jun, CAR Porzellan (2007) Sammlung Hartwig, Bonn

Wer hierzulande an Porzellan denkt, der denkt wahrschein an August den Starken und an den Alchemisten Johann Friedrich Böttger, der in dessen Auftrag statt Gold Porzellan schuf. Aber dass die europäischen Fürstenhöfe das edle Porzellan überhaupt kannten und sich damit schmücken konnten, lag an ihm: Kaiser Kangxi.
Der Mandschuren-Herrscher (1661-1722) muss nicht nur ein Kunst- und Kulturkenner gewesen sein, sondern auch ein gewiefter Ökonom. Denn er begriff früh, wie sich chinesisches Porzellan am besten vermarkten lassen konnte. Nämlich, indem er für seine Exportmärkte eigens angefertigte Produkte nach dem jeweiligen Geschmack produzieren ließ. Große Mengen wurden jährlich in streng arbeitsteiligen Prozessen in Handarbeit gefertigt und mit Schiffen und Karawanen exportiert. Die wegen ihrer Schönheit und Qualität geschätzten Kangxi-Porzellane, die von den Ostindienkompanien der Engländer, Franzosen und Niederländer nach Europa transportiert wurden, lösten dann einen wahren Boom aus.
Da die Europäer zwar gerne echtes chinesisches Porzellan ihr Eigen nannten, aber mit den Formen und Dekoren nicht viel anfangen konnten, ließ Kangxi eigene Produktlinien kreieren. Statt traditioneller Landschaften wurden die Gegenstände mit bunten Figuren verziert. Und statt der chinesischen Schalen bekamen die Europäer auf Wunsch eben Tassen und Teller und Terrinen mit Henkeln. Wieder ganz anders war der Porzellangeschmack in den islamischen Ländern: Für dortige Abnehmer zierten dann Blumenmotive, Pflanzen und Arabesken den chinesischen Export. Das Hetjens-Museum zeigt dieses Porzellan aus Kangxis Ära in drei unterschiedlichen Ausstellungsschwerpunkten und kann dabei auch auf wichtige Leihgaben aus deutschen Privatsammlungen zurückgreifen.
Aber beim Porzellan alleine als Beweis für den traditionell regen Austausch zwischen China und dem Westen lässt es die Ausstellung nicht bewenden. In einer angegliederten Studioausstellung mit Werken zeitgenössischer Künstler gibt es Exponate, die sich höchst kreativ mit der west-östlichen Konsum-Beziehung beschäftigen. Die chinesische Künstlerin Ma Jun stellt sowohl einen drachenverzierten Audi A 8 als auch einen amerikanischen “Hummer” in Porzellan aus. Von Li Xiafeng stammt ein Brustpanzer aus Kacheln, der statt des chinesischen Drachens das grüne Lacoste-Krokodil trägt. Katharina Sieverding und Klaus Mettig stellen Fotos ihrer Chinareisen aus und Andreas Gurskys wandfüllende Fotografie “Shanghai” zeigt die Lobby des Hotels “Grand Hyatt”.

Deckelvase eines dreiteiligen Vasensatzes mit Fünfarbendekor (wucai), Porzellan mit Aufglasurfarben, Qing-Dynastie, Ära Kangxi (1662–1722) Hetjens-Museum – Deutsches Keramikmuseum

Kanne in Form eines Fabelwesens,Porzellan mit Aufglasurfarben, Qing-Dynastie, Ära Kangxi (1662–1722)
Jorge Welsh, London – Lisbon

Kaiserlicher Geburtstagsteller, Ära Kangxi (1662-1722) Sammlung Gulexuan


Adresse & Kontakt

Hetjens-Museum – Deutsches Keramikmuseum
Schulstraße 4
40213 Düsseldorf
Tel: +49 211 8994210
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