Das Prinzip Apfelbaum. Was bleibt?

13. August 2015

© bettinaflitner.de / Initiative »Mein Erbe tut Gutes.«, Christiane Nuesslein-Volhard

In jüngeren Jahren steht eher die Frage im Raum: „Was will ich, wo führt mein Weg hin?“, mit der Zeit und einem Voranschreiten in dem, was Menschen tun und wie sie ihr Leben führen, kommt aber irgendwann der Punkt, an dem sie sich fragen: „Was habe ich bereits geleistet?“. Diese Betrachtung kann dazu führen, dass letztendlich auch der Gedanke aufkommt: „Was bleibt eigentlich von mir zurück, wenn ich nicht mehr hier bin?“

Was für viele Menschen immer noch ein Tabuthema darstellt, bringt die Ausstellung „Das Prinzip Apfelbaum“ in Kooperation mit der Stiftung „Mein Erbe tut Gutes“ dem Betrachter, oder Leser des dazu erschienenen Buches, näher. Es ist eben kein Tabu darüber nachzudenken, was von seinem Selbst zurückbleibt. Geld, Häuser o.Ä. zu vererben ist nur ein Teil des Vermächtnisses. Aber wie wurde die Welt oder auch nur das Leben einer kleinen Gruppe von Menschen dadurch geprägt, dass ich gelebt habe? Was glaube ich selbst, was von einem Menschen bleibt, wenn dieser schon längst aus dem Leben geschieden ist?

Elf bekannte Persönlichkeiten haben sich dieser Frage gestellt und dabei sehr individuelle Einblicke erlaubt. Bei der Auswahl der Befragten wurde darauf geachtet, eine möglichst große Vielfaltabzubilden. So wurden Menschen aus Kunst, Kultur, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft ausgewählt, Männer und Frauen im Alter von über 50 bis knapp über 90 Jahren. Personen, die einen eher pragmatischen Ansatz an das Thema oder einen mehr emotionalen finden. Eines allerdings ist bei allen gleich: Ein genaues und tiefes Nachdenken darüber, was ihr Leben, Tun und Sein für Spuren hinterlässt.

Begleitet wird das Projekt von Filmaufnahmen zu den Gesprächen, die noch tiefere, teils lustige aber auch sehr nachdenkliche Szenen zeigen. Drei der Gesprächspartner – Egon Bahr, Günter Grass und Richard von Weizsäcker – sind mittlerweile verstorben. Für Richard von Weizsäcker war die Arbeit mit der Fotografin Bettina Flitner der letzte Fototermin in seinem Leben, was dem Besucher das Thema der Ausstellung noch näher bringt.

Die Fotografin gab bei einem ersten Rundgang Einblicke in die verschiedenen Treffen und erzählte, dass viele der Gespräche, die nur auf eine oder zwei Stunden angesetzt waren, letztendlich oft viel länger dauerten, da sich die meisten der Gesprächspartner in diesem Thema so stark wiederfanden, dass sie die Zeit schier vergaßen. Bei den Fotos – jeweils ein Porträt und eins des jeweiligen Menschen in seiner Umwelt – musste sie manchmal wetterbedingt schnell eine neue, passende Location finden, manchmal hatte sie nur wenige Minuten Zeit für die Aufnahme oder gar Angst davor, dass der zu fotografierenden Person etwas passieren könnte. Wie etwa bei Wim Wenders, der längere Zeit auf einer vier Meter hohen Leiter im Dunkeln möglichst starr verweilen musste. Günter Grass, der sonst immer nur vor seinem Bücherregal fotografiert wurde, lockte sie hinaus in seinen Garten und platzierte ihn zwischen den Skulpturen, die er selbst geschaffen hatte.

Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 1.November 2015 in der ersten Etage des NRW- Forums. Der Eintritt ist frei.

Folgende Persönlichkeiten beantworteten die Frage: „Was bleibt?“:
Egon Bahr, Günter Grass, Margot Käßmann, Dieter Mann, Ulf Merbold, Reinhold Messner, Christiane Nüsslein-Volhard, Anne-Sophie Mutter, Friede Springer, Richard von Weizsäcker und Wim Wenders

Mehr Informationen über „Mein Erbe tut Gutes“ findet man hier

© bettinaflitner.de / Initiative »Mein Erbe tut Gutes.«, Wim Wenders

© bettinaflitner.de / Initiative »Mein Erbe tut Gutes.«, Dieter Mann

© bettinaflitner.de / Initiative »Mein Erbe tut Gutes.«, Anne-Sophie Mutter

© bettinaflitner.de / Initiative »Mein Erbe tut Gutes.«, Guenter Grass

© bettinaflitner.de / Initiative »Mein Erbe tut Gutes.«, Richard von Weizsaecker


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