Kunstwerk des Monats September Anders Leonard Zorn, Sappho, 1917, Radierung

07.09.2016, 12:30 - 12:50 Uhr


Der deutsche Landschaftsmaler Walter Leistikow (1865 – 1908) geriet ins Schwärmen, als er 1904 in einem Artikel der Zeitschrift für bildende Kunst von der künstlerischen Begabung seines schwedischen Malerfreundes Anders Zorn sprach. Er lobte die „verblüffende Geschicklichkeit“ des Kollegen und seine „einzigartige Virtuosität“. „Wir lieben Zorns Malerei, diese strahlende, leuchtende Schönheit, diese nie versagende Sicherheit, sein staunenerregendes Können, sein Wissen von Farbe und Zeichnung.“ Leistikow hielt ihn auch für „einen der größten Meister der Radierung aller Zeiten“ und teilte diese Einschätzung mit zahlreichen Sammlern und Spekulanten. In den USA wurden tatsächlich manche seiner Blätter während der Weltwirtschaftskrise wie Wertpapiere gehandelt und teilweise zu höheren Preisen verkauft als Radierungen von Rembrandt.

Das Kunstmuseum Düsseldorf, heute Museum Kunstpalast, erwarb seine 27 Zorn-Graphiken im Jahr 1925. Das damals angekaufte Konvolut enthält eine repräsentative Auswahl von Porträtdarstellungen, aber auch 14 Werke mit Akten im Freien, darunter die Radierungen „Dagmar“, 1912 (Abb. 1), „Sappho“, 1917, und Zorns letzte Graphik „Gegen den Strom“ (Abb. 2), 1919, die jeweils 1000, 400 und 275 Mark kosteten. Gleichzeitig wurden auch sieben Blätter von Zorns norwegischem Antipoden Edvard Munch (1863 – 1944) in die Sammlung aufgenommen, von denen keines teurer als 300 Mark war. Heute ist Munch hoch geschätzt und viel bekannter als Zorn. In Deutschland liegt dies vermutlich daran, dass sich nur ein einziges Gemälde des Schweden in einer öffentlichen Sammlung befindet, und man seinen Werken so gut wie nie begegnet.

Im Jahr 1860 als uneheliches Kind einer schwedischen Magd in der Kleinstadt Mora in der Provinz Dalarna, Mittelschweden, geboren, wuchs Zorn in ärmlichen Verhältnissen auf dem Bauernhof seiner Großeltern auf. Sein Vater, ein deutscher Braumeister aus der Nähe von Würzburg, starb früh, doch seine Kollegen halfen, dem Jungen eine Ausbildung zu finanzieren. Zorn bestand die Aufnahmeprüfung für die Stockholmer Akademie, verließ diese jedoch mit 21 Jahren ohne Abschluss und begab sich auf Reisen. Nach Stationen in Madrid, London, Algier und Tunis ließ sich der „Selfmademan“ von 1888 bis 1896 mit Unterbrechungen in Paris nieder. Er war damals bereits mit Emma Lamm verheiratet, die aus einer angesehenen jüdischen Familie stammte und dem Künstler wichtige Kontakte zur internationalen Kunst- und Finanzwelt verschaffte. Bereits um 1900 gehörte Zorn mit seinen an der französischen Lichtmalerei geschulten Gemälden und Aquarellen zu den führenden Künstlern Europas und konnte auf wichtige amerikanische Mäzene zählen.

Während seiner gesamten Laufbahn betätigte er sich auch als Graphiker, so dass zwischen 1882 und 1919 fast 300 Radierungen entstanden, die ihn einem größeren Publikum bekannt machten. Die Radiertechnik hatte Zorn von einem schwedischen Landsmann in London erlernt. Wie er später in seiner Autobiographie schilderte, war das Herstellen von Graphiken für ihn anfangs nicht viel mehr als eine willkommene Freizeitbeschäftigung, ein Spiel mit Überraschungen, das er gerne trieb, um sich zu erholen. Zorn nutzte die Technik der Radierung für Reproduktionen nach eigenen Gemälden und Aquarellen, aber auch um neue Motive zu erproben.

Das Thema, dem er neben dem Porträt ein Leben lang verbunden blieb, waren üppige, ungezwungene Akte im Freien, deren Haut im hellen Sonnenlicht schimmert. Häufig sind sie von reflektierendem, spürbar bewegtem Wasser umgeben. Ihre beiläufigen Posen hielt Zorn in Zeichnungen, aber auch mit der Kamera fest, und gab wieder, was er sah. Während er sich zunächst mehr für die Reflexe des Wassers interessierte und badende Mütter mit kleinen Kindern als Rückenfiguren darstellte, legte er ab 1894 Wert auf plastisch durchgeformte Körper, die er, wie durch ein Objektiv gesehen, häufig monumental ins Bild rückte.

Zorns Radierungen wirken durch hiebartig gesetzte Strichbündel und Lichtreflexe. Umrisslinien zieht er nur sehr sparsam, bei „Saphho“ sind sie entlang der Arme des Mädchens und bei einigen Partien des Hundes zu sehen. Meist brechen die Striche einfach ab, so wie vorne rechts beim Übergang vom Wasser zum Felsen. Parallel verlaufende Linien unterschiedlicher Stärke und Richtung geben den Blättern eine klare Struktur. Der Felsen wird beispielsweise aus diagonal verlaufenden Geraden gebildet, während die gekräuselte Wasseroberfläche aus einer bestimmten Abfolge horizontal verlaufender Striche entsteht. Als markanter Kontrast ist das Fell des Hundes kaum bearbeitet und leuchtet hell, für die Frisur und die Schenkel des Mädchens wählte der Künstler gekrümmte Striche und arbeitete mit ausgeprägten Licht- und Schattenzonen.

Während Zorns Graphiken von sonnenverwöhnten Nackten zu ihrer Entstehungszeit bisweilen als anstößig empfunden wurden, gilt dies für die sie vorbereitenden Fotografien noch heute. Als das Fotografiska Museet in Stockholm im Jahr 2015 die vorbereitenden Lichtbilder den ausgeführten Arbeiten gegenüber stellte, wurden sie auf der Facebookseite des Museums geschwärzt.

Gunda Luyken

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