Vom Leben der Dinge. Oder: Mein iPhone und Ich

09. September, 11.30 – 12.30 / Prof. Dr. Ursula Pia Jauch

Alle Dinge haben eine Gemeinsamkeit, die sie familiär aneinander kettet: Sie sind – angelehnt an René Descartes’ bekannten Dualismus – res extensa; ausgedehnte Materie. Indem Dinge und Objekte Raum einnehmen, haben sie auch eine eigene Form der Existenz, über die sich trefflich nachdenken lässt. Immerhin: Man kann Dinge und Objekte sehen, berühren, wahrnehmen, verschieben, verschenken, fetischisieren, tauschen, liebkosen, stehlen, leihen, finden, verkaufen, verlieren, wegwerfen. Aus einer phänomenologischen Perspektive kann man gar von einem Eigenleben der Dinge sprechen. Vielleicht haben Objekte und Dinge gar eine eigene Biografie, die sie in einem philosophischen Sinne „transmateriell“ und als Quasi Persönlichkeiten erscheinen lässt. Und es sind nicht nur Kinder und Narren, die ein Stofftier gern haben oder einer Eileen Gray-Liege warme Gefühle entgegen bringen.

Aus philosophischer Perspektive jedenfalls gibt es einige Zugänge zum Leben des Dinges, des Objekts, des Kunst-Werks. Sowohl die Antike wie auch die phänomenale Gegenwart haben dem geliebten, verehrten, gehassten, gefühlten Objekt eine beachtliche Aufmerksamkeit entgegen gebracht. Lukrez hat im 1. Jahrhundert vor Christus über „Die Natur der Dinge“ nachgedacht, Immanuel Kant hat in der „Metaphysik der Sitten“ die eigenwillige Rechtskategorie „Von dem auf dingliche Art persönlichen Recht“ eingeführt; auch sie eine Reaktion darauf, dass nicht nur Objekte – man denke an das fetischisierte iPhone – zu Lebensgefährten, sondern viceversa auch Tiere und Menschen zu Objekten werden können.
Ein kleiner philosophischer Spaziergang durch die eigenwillig lebendige Natur der Objekte.

Zur Person

Promotion 1987, seit 1996 Privatdozentin, seit 2003 Professorin für Philosophie und
Kulturgeschichte an der Universität Zürich. 1992 Scholarship am Getty Center for the
History of Art and the Humanities, Santa Monica/USA. Neben der akademischen Tätigkeit
Arbeit als Publizistin und Autorin, seit 1989 beim Feuilleton der Neuen Zürcher Zeitung,
zudem Moderatorin der „Sternstunde Philosophie“ bei SF1. 2007/2008 fellow am
Wissenschaftskolleg zu Berlin.

Buchpublikationen

  • – Immanuel Kant zur Geschlechterdifferenz. Aufklärerische Vorurteilskritik und bürgerliche Geschlechtsvormundschaft. Passagen Verlag, Wien 1988, 244 S. (2. Aufl. 1989)
  • – Damenphilosophie & Männermoral. Von Abbé de Gérard bis Marquis de Sade. Ein Versuch über die lächelnde Vernunft. Passagen-Verlag, Wien 1990, 216 S., 29 Abb. (2. Aufl. 1990; übersetzt ins Spanische 1995)
  • – Jenseits der Maschine. Philosophie, Ironie und Ästhetik bei Julien Offray de La Mettrie (1709-1751). Carl Hanser Verlag, München 1998, 599 S., 30 Abb.
  • – Beat Fidel Zurlauben. Söldnergeneral & Büchernarr. 1720-1799. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 1999, 253 S., 25 Abb.
  • – Bernard Mandeville: Eine bescheidene Streitschrift für Öffentliche Freudenhäuser. Oder, ein
  • – Versuch über die Hurerei (1724). Übersetzt, annotiert und mit einem Essay versehen von Ursula Pia Jauch. Carl Hanser Verlag, München 2001, 171 S., 10 Abb.
  • – Homo ludens – Der Mensch, ein Spieler. Publikation in der Schriftenreihe der Bank Vontobel. Zürich, Oktober 2001, 94 S., illustr.
  • – Franz Blei: Erzählung eines Lebens. Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Ursula Pia Jauch. Zsolnay-Verlag, Wien 2004

    Weitere Publikationen auf http://www.philosophie.uzh.ch/institut/tp/jauch.html

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