Die Präsenz des Publikums - Zur performativen Wende in der Kunst
Üblicherweise heißt es auf Einladungen “The Artist is Present” (siehe den Ausstellungstitel von Marina Abramovic, MoMA 2010). Ein wirklich aktueller Titel müsste aber lauten “The Public is Present”. In der Kunst der Moderne zählt nämlich seit der Neo-Avantgarde vor allem die Anwesenheit des Publikums. Ob Piero Manzonis “Base Magica – Sculptura Vivente” (Magic Base – Living Sculpture, 1961) oder F.E. Walthers “Objekte, benutzen” (1968), ob Op-Art oder Kinetik, ob Fluxus oder Happening, ob Closed Circuit Video- oder Computer-Installationen überall dienen die Werke als Plattform für die Kreativität des Publikums (Duchamp, The Act of Creation, 1957). Die moderne Kunst hat in ihrer ersten radikalen Phase anstelle der Repräsentation die Realität gesetzt (reale Objekte, reale Bewegung, reales Licht, reale Körper). In ihrer zweiten radikalen Phase hat sie die Medien als Realität, Double der Realität und Fluchtpunkt der Repräsentation entwickelt. In ihrer dritten radikalen Phase wurde das reale Publikum zum Teil oder Konstrukteur des Werkes. Die Partizipation des Publikums leitet nach dem Schauspieler als Performer und dem Künstler als Performer die performative Wende der Kunst ein.
Zur Person
Geboren 1944 in Odessa, studierte Literatur, Film, Mathematik, Medizin und Philosophie in Wien und Paris. Er arbeitet als Künstler, Ausstellungskurator, Kunst- und Medientheoretiker. Seit 1984 ist er Professor für visuelle Mediengestaltung an der Universität für angewandte Kunst in Wien, seit 2008 Professor für Medientheorie. Von 1984 bis 1989 lehrte er am Center for Media Study der State University of New York at Buffalo/New York. Für die Ars Electronica Linz zeichnete er sich von 1986 bis 1999 als künstlerischer Leiter verantwortlich.
Das von ihm gegründete Institut für Neue Medien an der Städelschule in Frankfurt/Main leitete er von 1989 bis 1994. Von 1993 bis 1999 kuratierte er als Kommissär den österreichischen Pavillon auf der Biennale von Venedig. 1993 wurde er zum Chefkurator der Neuen Galerie am Landesmuseum Joanneum, Graz, berufen, seit Januar 1999 ist er Vorstand des ZKM Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe. Er ist zudem Herausgeber und Autor zahlreicher Bücher und Kataloge. 1993 erhält er den Skulpturenpreis der Generali Foundation, 1997 den “Siemens Medienkunstpreis” und 2004 den “Käthe Kollwitz Preis”. 2007 wird ihm die Ehrendoktorwürde der University of Art and Design Helsinki verliehen und 2008 erhält er das französische Ehrenzeichen des “Officier dans l’Ordre des Arts et des lettres”. 2008 wird er ebenfalls Künstlerischer Direktor der Biennale von Sevilla Biacs3 und 2011 Künstlerischer Direktor der Biennale von Moskau. 2009 wird ihm der “Friedlieb Ferdinand Runge-Preis für unkonventionelle Kunstvermittlung” der Stiftung Preußische Seehandlung verliehen. Im gleichen Jahr erhält er die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg und wird zum ordentlichen Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste München ernannt. Ebenfalls 2009 wird er mit dem “Europäischen Kultur-Projektpreises” der Europäischen Kulturstiftung ausgezeichnet. Von 2009 bis 2012 ist er Gastprofessor an der University of New South Wales, Sydney, Australien.
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