„Mythos Tour de France“ im NRW-Forum

19. Mai 2017

NRW-Forum: Mythos Tour de France

Die Sogkraft der Tour de France und des Grand Départs hat bestimmt noch nicht alle Düsseldorfer und Besucher der Landeshauptstadt eingenommen. Mit den mehr als 120 präsentierten Werken der 20 verschiedenen internationalen Künstler könnten sich Fans und Kritiker allerdings einander annähern. Das Ausstellungsprojekt zeigt Fotos, die von ganz verschiedenen Ambitionen herrühren. So bewegt sich der Fokus der Werke von den Fahrern über die Fans hin zur Strecke selbst.

Blickwinkel verändern sich, der Mythos wird von vielen Seiten beleuchtet und schließt die Lücke zwischen Sport und Kultur. „Die Weltspitze des Sports trifft die Weltspitze der Kultur“, lobt Kulturdezernent Hans Georg Lohe die gelungene Ausstellung.

Bereits der Aufbau der beiden Flügel des NRW-Forums sollen auf das Sportevent einstimmen und besondere Eigenheiten hervorheben. Die Gänge wirken wie die Strecken, die von den Profiradlern passiert werden. Die Namen der Künstler stehen vor ihren Werken platziert auf dem Boden – meist kombiniert mit Anfeuerungsfloskeln. Diese wirken wie die Kreideschriftzüge, die die Fans an den Strecken für ihre Helden hinterlassen.

Die Werke in der Ausstellung erzählen von den letzten 80 Jahre der Tour-Geschichte, die bereits im Jahr 1903 begann. Sie zeigen die Sonnen- und Schattenseiten des Sports, die Helden in ihrem Glanz und bei purer Erschöpfung, die Fans, die Strecken und zu guter Letzt auch die musikalische Seite. So zeigt der Dokumentarfilm „Vive Le Tour“ von Louis Malle die erschöpften Fahrer und die Dopingskandale, die langsam begannen oder Fans, die randalieren. Erschöpfung gehört aber dennoch auch zu dem Heldenbild der Fahrer. Tim Kölln hält in seinen Werken ein Gefühl der Fahrer fest, das zwischen dieser Erschöpfung und ihrem Kampfgeist schwebt. Kurz nach dem Zieleinlauf nimmt er Portraits von verschiedenen Fahrern ohne Helm und ohne Brille auf. Die Anstrengung des Rennens ist noch immer in ihre Gesichter gemeißelt, förmlich spürbar für den Betrachter. Auch sein flächendeckendes Großwerk „Peloton Legs“ zeigt zwei Seiten des Sports. Zum einen sehen wir die Beine von Radrennprofis, ihr Kapital für den Sport, muskulös und durchtrainiert. Zum anderen aber auch durch große Wunden und Narben gezeichnet.

Nicola Mesken und Laurent Cipriani wiederum zeigen die Welt der Fans, die auf ihre Helden warten. Seit zwölf Jahren bereits fotografiert Nicola Mesken Fans am Streckenrand und ist mit ihrem Projekt noch lange nicht an ihrem eigenen Ziel angelangt. „25 Jahre sind geplant“, sagt sie selbst. Der Besucher darf also auf der Halbzeit einen Blick auf ihr Langzeitprojekt werfen. Der Franzose Cipriani wiederum hat die Szenerie der Fans aus der Perspektive der Fahrer eingefangen, indem er diese kurz vor den Radrennprofis auf dem Rücksitz eines Motorrades mit seiner Kamera fotografisch festhielt.

Aber auch die Strecke selbst kann Hauptakteur sein. Philipp Hympendahl hat die Fans und die Fahrer der Tour mit einer Rollfilm-Kamera aufgenommen. Mit dieser Technik, die für die Schnelligkeit des Radsports eigentlich ungeeignet erscheint, erzeugt er ein fernes und entschleunigtes Bild eines Trubels, der Ruhe im Moment der Durchfahrt eigentlich nicht kennt. Der deutsche Fotograf Olaf Unverzart wiederum zeigt die menschenleeren Strecken der Tour, die nur auf das bevorstehende oder bereits vorbeigezogene Event hinweisen. Sprechen wir von Fotografie und Tour de France darf natürlich Andreas Gursky nicht fehlen. In seinen beiden Werken, die in der Ausstellung zu sehen sind, zeigt auch er die Strecke mit Fahrern und Fans. Die Perspektive ist jedoch weit entfernt, eine große Landschaft überblickend, in der das Spektakel so präsent und dennoch so nebensächlich erscheint. Was steht hier im Vordergrund?

Außerdem ist es wieder an der Zeit für einen kleinen Selfie-Moment. Es gibt keine Selfie-Statue von MC Fitti, dafür aber die Silhouetten von zehn berühmten Radsporthelden, die der Franzose Pascal Rivet auf Holzaufsteller malte. Die Besucher sind dazu aufgerufen viele Bunte Fotos von sich selbst in dieser Kulisse aufzunehmen.

Zu guter Letzt darf auch die Musik nicht zu kurz kommen. Tour de France, Musik und Düsseldorf ergeben dabei natürlich…? Richtig, Kraftwerk. Die Band – selbst bereits ein Mythos – tritt am 1. Juli anlässlich des Grand Départ in Düsseldorf auf und ist auch in dieser Ausstellung vertreten. Zum einen als multimediale Rauminstallation, zum anderen in der Fotoserie „Worldrecords“ von Kai Schäfer. Die von Kraftwerk-Mitglied signierte Arbeit zum letzten Studioalbum der Band wird zudem versteigert. Die Einnahmen gehen an das Städtische Kinderhilfezentrum Düsseldorf.

Alle Fans, Nicht-Fans und eventuelle Neu-Fans des Sportevents sind in der Ausstellung rund um den Mythos der Tour de France gut aufgehoben. Die Fotografien machen auf jeden Fall Lust auf mehr.

Viel Spaß!

Pascal Rivet: “Les Silhouettes” (1993-94)

Timm Kölln: Peloton Legs

Olaf Unverzart: Land

bjop: Fahnen zu “Mythos Tour de France” vor dem NRW-Forum


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