Lucas Cranach – ein moderner Meister

07. April 2017

Lucas Cranach der Ältere: "Bildnis Martin Luther als Junker Jörg", 1522

Wann wäre die große Werkschau des berühmten Renaissance-Malers im Museum Kunstpalast passender gewesen als im Reformationsjahr 2017? Schließlich waren Lucas Cranach und Martin Luther eng befreundet und arbeiteten gemeinsam.

Seit rund drei Jahren sind schon die Vorarbeiten für die neue Ausstellung gelaufen. Denn die rund 200 Exponate wurden aus aller Welt nach Düsseldorf geholt. Museen aus 15 Ländern haben sich beteiligt, um Lucas Cranach die Ehre zu erweisen. Und womöglich wäre es dennoch nicht zu dieser letzten großen Ausstellung unter der Leitung von Beat Wismer als Generaldirektor gekommen.
Denn Cranach verbindet eigentlich nichts mit Düsseldorf. Außer – dass das Museum Kunstpalast in Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule Köln das „Cranach Digital Archive“ betreibt. So konnten Wismer und seine beiden Mitkuratoren bei den Leihgebern nicht nur mit der Ausstellung werben, sondern auch mit hochrangiger wissenschaftlicher Begleitung.

Im Cranach Digital Archive werden aktuellste Forschungsergebnisse zu jenem Maler gesammelt und veröffentlicht, der 1472 in Kronach in Franken geboren wurde. Für jeden Interessierten frei zugänglich sind hier unter anderem rund 1600 Gemälde und 6500 Textseiten zu Cranach einsehbar. Mit der Forschung über den Meister, der Maler, Grafiker, Buchdrucker. Politiker und Unternehmer gleichzeitig war, setzt sich deshalb auch die Ausstellung auseinander. Zum Beispiel damit, wie mit heutigen Methoden nachweisbar ist, welche Werke von Cranach selbst, welche von seinen Schülern stammen.

Aber vor allem ist natürlich ein Sujet präsent: Porträts, darunter viele des Reformators Martin Luther. Wer an ihn denkt, kommt an Bildern von Cranach nicht vorbei. Aus Wittenberg, dem Örtchen an der Grenze zur Zivilisation, wie der Reformator sagte, wurde um 1500 ein Zentrum für Kunst und Wissenschaft. Und mit Luther und Cranach trafen sich dort zwei Männer, die – jeder auf seine Art – die Reformation prägten.

So zeigt die Schau auch das berühmte Cranach-Bild vom Junker Jörg neben vielen anderen Luther-Porträts, die heute noch in jedem Lesebuch zu finden sind. Was der Theologe schrieb und predigte, setzte der Maler in eine neue Bildsprache um. Cranach wurde zum Erfolgsgaranten bei der Vermittlung der reformatorischen Inhalte. Er gestaltete Flugschriften, illustrierte und verlegte Schriften und malte Bilder zu Themen der neuen Bewegung.

Diese ungeheure Produktion wäre nicht möglich gewesen ohne eine bestens funktionierende Werkstatt. Denn Cranach war auch Hofmaler und damit zuständig für die Ausgestaltung von Schlössern und Festen. Darüber hinaus fertigte er aber auch Entwürfe für zahlreiche Gewerke vom Goldschmied bis zum Glasmacher. „Die Werkstatt des Malers“, heißt ein entsprechender Schwerpunkt der Ausstellung, in dem anschaulich Farbherstellung aus Pigmenten oder Malgründe gezeigt werden.

Last but not least: Cranach und die Frauen – auch das ist ein großes Thema der Schau. Ob in religiösen oder mythologischen Szenen – immer wirken die Dargestellten puppenhaft zart mit heller, schimmernder Haut – das begeisterte nicht nur Cranachs Zeitgenossen, sondern viele Künstler bis heute.

Vor allem mit den Akten haben sich die deutschen Expressionisten ebenso auseinandergesetzt wie Picasso. Und Andy Warhol begeisterte sich für die junge Dame mit Hut. Wie immer ist auch diese Schau deshalb nicht einfach nur ein Überblick. Sie zeigt, wie Cranach arbeitete und wie sich heutige Künstler mit dem Renaissancemaler auseinandersetzen. Nicht umsonst rührt daher auch der Titel der Schau: Cranach. Meister- Marke -Moderne.


Adresse & Kontakt

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Tel: +49 211 566 42 100 
(allgemein)
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