Kunst – aufnehmen und weitertragen

09. September, 10.30 – 11.30 / Heinrich Heil

Wie vom Blitz getroffen geht Keiner einfach nur so nach Hause und redet beiläufig übers Gewitter. Alle, die Kunst berührt, sprechen über sie von sich selbst. Dies meint Nietzsche, wenn er von der Kunst sagt, sie sei ein Lebensmittel. Und wer sich offen zeigt und es versucht, wird erfahren, dass man mit der Kunst nicht fertig wird, aber klüger an ihr.
Kunst sucht den Betrachter, denn nur er verleiht ihr die Gegenwart, in der sie fortdauert. Der Wettstreit der Künste gilt der Aufmerksamkeit der Betrachter, diese zu erregen, stehen die Künste in Konkurrenz. Von Anbeginn der Kunst toste dieser Paragone und hat dabei nie an Heftigkeit verloren.

In großer Bescheidenheit – so berichtet Plinius der Ältere in der Einleitung seiner Naturkunde – setzten die Alten unter ihr vollendetes Kunstwerk schlichte Hinweise wie ‚Apelles arbeitete daran’. Im Gebrauch des Imperfekts hätten die Künstler, so mutmaßt der Geschichtsschreiber, sich vor ihren Kritikern schützen wollen. ‚Polykleitos faciebat’ – ich lese hingegen die nicht vollendete Vergangenheit als Aufforderung an den Betrachter, sich in aktiver Auseinandersetzung an der Gegenwart des Kunstwerkes zu beteiligen. Denn finden Kunst und Betrachter interagierend zusammen, entsteht etwas über sie hinaus.

Heinrich Heil


Zur Person

Heinrich Heil lebt und arbeitet als freier Autor in Düsseldorf. Seit Jahren setzt er sich in seinen Publikationen und Vorträgen mit der bildenden Kunst und der Photographie auseinander. 2006 wurde er Referent für Kultur im Büro des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt Düsseldorf. Im Rahmen der Quadriennale leitet er das Symposion und kuratiert zusammen mit Gabriele Uerscheln, der Direktorin von Schloss und Park Benrath, die James Lee Byars Ausstellung „The Perfect Axis“.

2005 erschien im Amman Verlag, Zürich, „Der Kunst die Regeln geben“.

Zur Eröffnung der Quadriennale erscheint Anfang September 2010 im Piet Meyer Verlag, Wien, „Im Nu des Perfekten, Werke von James Lee Byars und 100 Haiku für jetzt“.

« zurück