Beuys und der Betrachter

09. September, 15.00 – 16.00 / Dr. Marion Ackermann

Auf intelligente Weise suchte Joseph Beuys den Betrachter anzusprechen und zu aktivieren. Es ging darum, Prozesse mit offenem Ausgang auszulösen. Dies konnte über das Material selbst, über die Anordnung der einzelnen Bestandteile des Werks, über die Bildtitel oder über die Beziehung der Arbeit zum umgebenden Raum erfolgen. Seine Gedanken und Thesen dazu finden sich an vielen Stellen formuliert.

Durch die von Beuys angelegten Werkstrukturen wird der Betrachter in spezifische Situationen gebracht, die in der Analyse am Beispiel von Hauptwerken besondere Einblicke und Zugangsmöglichkeiten zulassen. Auch der Vorgang der Musealisierung, der eine zum Teil eine vollkommen veränderte Begegnung des Betrachters mit dem Werk provoziert, war für Beuys ein kreativer Prozess, wie dargelegt werden wird. Aufschlussreich im Hinblick auf seine rezeptionsästhetischen Vorstellungen ist zu untersuchen, wie er die Werke anderer Künstler im musealen Kontext neu inszeniert hat. Um die Rezeption der eigenen Werke entsprechend zu lenken, hielt er es für wichtig, „Parallelprozesse“ einzuleiten, d. h., „mit allen Menschen über die Dinge und über die Genetik dieser Objekte zu reden.“

Zur Person

Marion Ackermann begann ihr Studium in Kassel an der Kunstakademie und setzte es in Göttingen mit den Fächern Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte und Geschichte fort.

Nach einem Auslandsjob in Wien erfolgte die Abfassung ihrer Promotionsschrift zu den autobiografischen und theoretischen Texten Wassily Kandinskys in München. Seit 1995 arbeitete Marion Ackermann an der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, seit 1997 als Kuratorin. Parallel lehrte sie in München an der Kunstakademie und an der Hochschule für angewandte Wissenschaften, im Fachbereich
Fotodesign.
Wichtige Projekte waren u.a. die Ausstellungen Paula Modersohn-Becker, 1998, Rosemarie Trockel, 1999, „SchattenRisse“, 2001, Katharina Grosse, 2002, die Reihe „Dialoge zur Zeichnung“ sowie die Publikation des Buchs „Farbige Wände“, 2003.

2003 wurde sie Direktorin des Kunstmuseum Stuttgart, wo sie beispielsweise die Ausstellungen „Max Bill. Eine Retrospektive“, 2005, „Leuchtende Bauten – Architektur der Nacht“ und „Piktogramme – Die Einsamkeit der Zeichen“, beide 2006, Christian Jankowski, 2008, und „Drei. Triptychon in der Moderne“, 2009, umsetzte. 2008 wurde sie zur Direktorin der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen berufen, wo sie zum 1. September 2009 ihr Amt antrat. Ihr Ansatz ist prozessorientiert und fordert Partizipation heraus.

Im Rahmen der Quadriennale kuratiert sie zusammen mit ihrer Co-Kuratorin Isabelle Malz die Ausstellung „Joseph Beuys. Parallelprozesse“ im K20.

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