Sin­gu­lar / Plu­ral. Kol­la­bo­ra­tio­nen in der Post-Pop-Po­lit-Are­na

08.07. - 01.10.2017

[Detailansicht. Für die komplette Ansicht Bild anklicken] Christof Kohlhöfer, Commedia dell'Arte of theColoured dogs, 1976, Courtesy Christof Kohlhöfer

Sin­gu­lar / Plu­ral. Kol­la­bo­ra­tio­nen in der Post-Pop-Po­lit-Are­na
Ei­ne Aus­stel­lung zum 50-jäh­ri­gen Ju­bi­lä­um der Kunst­hal­le Düs­sel­dorf am Grab­beplatz

Der Fo­kus die­ser Aus­stel­lung liegt auf Künst­ler*in­nen, die in den 1970er Jah­ren in Düs­sel­dorf leb­ten und ge­mein­sam ar­bei­te­ten: Micha­el De­ist­ler, Bru­no De­mat­tio, Achim Duchow, As­trid Hei­bach, Can­di­da Hö­fer, Chris­tof Kohl­hö­fer, In­g­rid Kohl­hö­fer, Klaus Met­tig, Lutz Mom­martz, Tony Mor­gan, An­ge­li­ka Oehms, Sig­mar Pol­ke, Ul­ri­ke Ro­sen­bach, Ste­fan Run­ge, Con­rad Schnitz­ler, Emil Schult, Mem­phis Schul­ze, Ka­tha­ri­na Sie­ver­ding, Klaus vom Bruch, Ilo­na & Wolf­gang We­ber. Wir wer­fen mit die­sen Prot­ago­nist*in­nen ei­nen fri­schen Blick auf die Aus­dif­fe­ren­zie­rung der Küns­te der Nach­kriegs­zeit so­wie sub­kul­tu­rel­le Im­pul­se im deutsch­spra­chi­gen so­wie eu­ro­päi­schen Raum; die meis­ten der in Sin­gu­lar / Plu­ral ver­tre­te­nen Wer­ke wur­den noch nie in ei­ner Aus­stel­lung ge­zeigt. Es ist da­bei zen­tral, dass die­se lo­se wie kos­mo­po­li­tisch ori­en­tier­te Grup­pe ih­re In­ter­es­sen und Stra­te­gi­en in Aus­ein­an­der­set­zung mit und in Ab­gren­zung vom Nach­le­ben des deut­schen Fa­schis­mus ent­wi­ckel­te. Von In­ter­es­se wa­ren Ma­le­rei nach der Ma­le­rei, Mu­sik, Fo­to­gra­fie, Dia­pro­jek­tio­nen, Film und In­ter­me­dia, Per­for­man­ces, All­tag, die Ri­ten des Rhein­lan­des, Co­mics, Pop­kul­tur, Ro­cka­bil­ly, Hip­pie- und Ro­cker­tum, Punk und New Wa­ve: In die­ser von uns als Post-Pop-Po­lit-Are­na de­fi­nier­ten Kon­stel­la­ti­on ging es um po­li­ti­sche Hal­tun­gen und die Neuan­ord­nung der My­then des Po­pu­lä­ren, um das An­eig­nen, Wie­der­ho­len, Sam­peln, Um­deu­ten, Ko­pie­ren und Fäl­schen von vi­su­el­lem Ma­te­ri­al jen­seits des Main­streams. Ne­ben dem Ver­such, in­ner­halb den en­gen Gren­zen des Wes­tens – und vor der Glo­ba­li­sie­rung des Kunst­sys­tems – der Ord­nung des Kal­ten Kriegs zu ent­kom­men, for­mu­lier­ten die aus­ge­stell­ten Künst­ler*in­nen wich­ti­ge Fra­gen zur Funk­ti­on von Bild­lich­keit in der sich for­mie­ren­den Spaß- und In­for­ma­ti­ons­ge­sell­schaft.

Die Grup­pen- und The­men­aus­stel­lung Sin­gu­lar / Plu­ral wird durch Fra­gen­kom­ple­xe wie Zu­sam­men­ar­beit, Ko­lo­ni­al­ge­schich­ten, Mu­sik, Co­mics, Öko­no­mi­en oder Gen­der struk­tu­riert; sie prä­sen­tiert die ent­spre­chen­den Wer­ke – so­wie do­ku­men­ta­ri­sches Ma­te­ri­al, Druck­sa­chen oder Schall­plat­ten – nicht chro­no­lo­gisch, son­dern so la­by­rin­thisch, wie die pro­zes­sua­len Kol­la­bo­ra­tio­nen und De­bat­ten der Künst­ler*in­nen ab­lie­fen. Die ent­spre­chen­den Kunst­wer­ke stel­len po­li­ti­sches Sen­dungs­be­wusst­sein und Selbst­iro­nie zur Schau; sie bil­den Re­so­nan­zen mit ge­gen­wär­ti­gen In­ter­es­sen. Chris­tof Kohl­hö­fer und Emil Schult fer­tig­ten psy­che­de­li­sche Co­micstrips, Bru­no De­mat­tio oder Ste­phan Run­ge er­kun­de­ten in­di­vi­du­el­le My­tho­lo­gi­en und Ge­gen­kul­tu­ren. Mem­phis Schul­ze, Achim Duchow und Sig­mar Pol­ke nah­men durch den Ein­satz von Spray­do­sen das In­ter­es­se der Street Art an die­sen Ver­fah­ren vor­weg. Lutz Mom­martz oder As­trid Hei­bach setz­ten sich zu ei­nem für den deutsch­spra­chi­gen Raum frü­hen Zeit­punkt mit den ehe­ma­li­gen deut­schen Ko­lo­ni­en aus­ein­an­der und Micha­el De­ist­ler reis­te auf den Spu­ren des na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Afri­ka­feld­zugs nach Ägyp­ten, wäh­rend Can­di­da Hö­fer ei­nen eth­no­gra­phi­schen Blick auf die ei­ge­ne Ge­sell­schaft wirft und In­g­rid Kohl­hö­fer kli­schee­haf­te Vor­stel­lun­gen von Freaks be­fragt. Tony Mor­gan, Ul­ri­ke Ro­sen­bach oder Ka­tha­ri­na Sie­ver­ding un­ter­su­chen gen­der­kri­ti­sche Po­si­tio­nen und die Rock­po­sen der Pop­kul­tur und Con­rad Schnitz­ler trans­for­miert das Er­be der Pop Art durch neue For­men der elek­tro­ni­schen Mu­sik. Vie­le der mul­ti­me­dia­len Ar­bei­ten konn­ten für die Aus­stel­lung re­kon­stru­iert wer­den und sind erst­mals wie­der zu­gäng­lich. So fer­tig­te et­wa Achim Duchow ver­ton­te Dia­pro­jek­tio­nen, die sich mit der Si­tua­ti­on rund um die RAF, der Bou­le­vard­pres­se oder dem Kunst­markt in die­sem „ro­ten Jahr­zehnt“ aus­ein­an­der­set­zen. Es ist da­bei für das ku­ra­to­ri­sche Kon­zept zen­tral, dass in­ner­halb die­ser Grup­pe al­ter­na­ti­ve Le­bens­mo­del­le er­probt und gleich­zei­tig ei­ne sin­gu­lä­re Au­tor­schaft auf­ge­löst wur­de. Et­wa Klaus vom Bruch oder Ilo­na und Wolf­gang We­ber por­trä­tie­ren in Di­a­shows oder Fo­to­samm­lun­gen die Düs­sel­dor­fer Grup­pe, an­de­re tausch­ten ihr Ma­te­ri­al un­ter­ein­an­der oder er­stel­len, wie Sig­mar Pol­ke und Mem­phis Schul­ze oder Achim Duchow und An­ge­li­ka Oehms, ge­mein­schaft­li­che Wer­ke. Wie es der Phi­lo­soph Jean-Luc Nan­cy for­mu­liert: „Mit-Sein“, eben „sin­gu­lär Plu­ral sein“ setzt im­mer vor­aus, mit an­de­ren im Aus­tausch zu ste­hen, wo­bei die Fra­ge ent­steht, wie in­ner­halb kon­kre­ter Kunst­pro­jek­te Grup­pen aus­ge­bil­det wer­den kön­nen, die zwar als Plu­ra­li­tät funk­tio­nie­ren, in de­nen je­doch das „wir“ nicht zur To­ta­li­tät ge­rät.

In­ner­halb der Düs­sel­dor­fer Sze­ne wur­den die Pro­zes­se des Aus­tau­sches, Wan­dels und der Dis­kus­si­on in­ner­halb von öf­fent­li­chen Fo­ren auf­recht­er­hal­ten; die Kunst­hal­le fun­gier­te als zen­tra­le Büh­ne für die­se Ak­ti­vi­tä­ten. Die in Sin­gu­lar / Plu­ral ver­tre­te­nen Künst­ler*in­nen be­stimm­ten das his­to­ri­sche Pro­gramm die­ser In­sti­tu­ti­on ak­tiv mit, et­wa durch die al­ter­na­ti­ven Rei­hen bet­ween oder Pro­spekt, wäh­rend die Groß­aus­stel­lun­gen meist der Vor­kriegs­ge­ne­ra­ti­on vor­be­hal­ten wa­ren. Des­halb be­stim­men Re­fe­ren­zen auf drei his­to­ri­sche Aus­stel­lun­gen, Yes Sir, That’s My Ba­by im Rah­men der bet­ween-Rei­he 1973, die Sig­mar Pol­ke-Re­tro­spek­ti­ve Bil­der, Tü­cher, Ob­jek­te 1976 – ei­gent­lich ei­ne Grup­pen­aus­stel­lung in Form ei­ner To­tal­in­stal­la­ti­on – so­wie Nach­bar­schaft, eben­falls 1976, die Prä­sen­ta­ti­on die­ser Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung.

Die Künst­ler*in­nen: Micha­el De­ist­ler, Bru­no De­mat­tio, Achim Duchow, As­trid Hei­bach, Can­di­da Hö­fer, Chris­tof Kohl­hö­fer, In­g­rid Kohl­hö­fer, Klaus Met­tig, Lutz Mom­martz, Tony Mor­gan, An­ge­li­ka Oehms, Sig­mar Pol­ke, Ul­ri­ke Ro­sen­bach, Ste­fan Run­ge, Con­rad Schnitz­ler, Emil Schult, Mem­phis Schul­ze, Ka­tha­ri­na Sie­ver­ding, Klaus vom Bruch, Ilo­na & Wolf­gang We­ber.

Ku­ra­tiert von Pe­tra Lan­ge-Berndt, Diet­mar Rü­bel, Max Schul­ze und Gre­gor Jan­sen


Kunsthalle Düsseldorf
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40213 Düsseldorf

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