Alicia Frankovich OUTSIDE BEFORE BEYOND

18.02. - 09.04.2017

[Detailansicht. Für die komplette Ansicht Bild anklicken] Alicia Frankovich, outside before beyond, Videostill, HD Video Farbe, Sound, 2017

Vor dem Hintergrund neuer Technologien, der Kritik am menschlichen Handeln im Zeitalter des Anthropozäns und der Vorstellung einer Gegenwart, die zunehmend von Vergangenheit und Zukunft her bestimmt wird, untersucht die in Neuseeland geborene Alicia Frankovich (*1980) die Wechselwirkungen menschlicher Organismen zu anderen lebenden und nichtlebenden Elementen. Die Wahrnehmung dessen, was menschlich ist, hat unter dem Druck politischer, ökologischer und sozialer Realitäten drastische Veränderungen erfahren: der humanistische Mensch – männlich, weiß, rational, selbstbewusst, eurozentrisch –, ist einem Hybridsubjekt mit multiplen Identitäten gewichen und längst nicht mehr das Maß aller Dinge. Analog zu diesen Entwicklungen bildet die Verhandlung des Verhältnisses von Mensch und Technologie, von Mensch und Natur, von Objekten zu Subjekten den zentralen Bezugspunkt in Frankovichs’ Oeuvre. In dem Ineinandergreifen von Skulpturen, Videos und Performances entwirft sie Ausstellungsparcours, die sich im ständigen Wandel befinden. Aspekte von zeitbasierten Arbeitsweisen wie Performancekunst, die Bewegungen der Betrachter_innen und die Idee von Anfang und Ende verschmelzen zu einem einzigen poetischen Erfahrungsraum und eröffnen einen Prozess, in dem der „Akt des Ausstellens“ selbst als Format und Medium zur Aufführung kommt. So wird gleich zu Beginn des diesjährigen Programms eine Arbeitsweise vorgestellt, die bezugnehmend auf aktuelle Diskurse entlang der Schnittstelle von Performance und Ausstellung, Erfahrung, Betrachtung und Interaktion alternative Formen für die Präsentation von Kunst erörtert.

Bei OUTSIDE BEFORE BEYOND handelt es sich um eine eigens für die Räumlichkeiten des Kunstvereins entwickelte Choreographie, in der neue Skulpturen, ein Video, Animationen, Sound und Inszenierungsinstrumente (wie Scheinwerferlicht oder Vorhänge aus dem Theaterbereich) als sich gegenseitig überlagernde Zeitfolgen und Erzähltechniken gleichwertig in Erscheinung treten. Bezugnehmend auf den Titel, in Deutsch in etwa zu übersetzen mit Außen Vorher Darüberhinaus, erprobt Frankovich die Möglichkeit, Fixpunkte von Raum und Zeit aufzuheben, so dass sich die präsentierten Arbeiten innerhalb ihres Parcours immer wieder neu konfigurieren – nicht zuletzt durch die Bewegungen der Besucher_innen. Diese Momente von Bewegung und Transformation sind den einzelnen Bestandteilen bereits implizit: eine Animation zeigt eine Abfolge von Figurationsmetamorphosen, die gefärbten Stoffe der bildbasierten Skulpturen zitieren Kleidungsstücke vergangener Performances, Pflanzen befinden sich im Prozess der Kreuzung zweier Arten. Ausgehend von einer Verweigerung typologischen Denkens eröffnet Frankovich ein Szenario, in dem das chronologische Vorher-Jetzt-Nachher-Kontinuum unterlaufen wird, und stattdessen eine spekulative Zeitlichkeit regiert; ein Szenario, in dem statische Objekte animiert und Körper in ihrer flackernden An- und Abwesenheit aufscheinen. Die von ihr angestoßene Bedingtheit des Humanen und Nicht-Humanen, von Materie und Nicht-Materie mündet in einer Neuauslegung ihrer künstlerischen Handlungsfelder innerhalb unseres körperlichen, terrestrischen und extraterrestrischen Umfelds.

Die Präsentation wird begleitet von Performances, einem Künstlergespräch und einer kollaborativen Lecture des Dichters und Geophilosophen Daniel Falb. Die Termine werden zeitnah gesondert bekannt gegeben.


Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen
Grabbeplatz 4
40213 Düsseldorf

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Kinder/Jugendliche bis 18 Jahre: frei
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Service

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